Laisa

MMH künftig auch im ehemaligen Obi-Markt

- Battenberg-Laisa (da). Bei der Firma MMH in Laisa boomt es. Die Mitarbeiterzahl steigt, laufend kommen neue Kunden aus ganz Deutschland und haben immer mehr Arbeit für das Unternehmen. Längst ist der Stammsitz am Dorfrand zu klein: Seit einem Jahr sind rund 70 Mitarbeiter im ehemaligen Lidl-Markt am Allendorfer Ortsrand beschäftigt, und zum 1. Oktober eröffnet MMH eine weitere Montagestätte im früheren Obi-Markt in Frankenberg.

Damit sorgen die Geschäftsführer Heiko Gaul und Marco Sittler dafür, dass nach eineinhalb Jahren wieder Leben in das Gebäude einkehrt.

„Wir mussten ohnehin erweitern“, sagt Betriebsleiter Klaus Krafthöfer. Im angemieteten Obi-Gebäude sollen Teile für die Möbelindustrie und für die Autobranche montiert und bearbeitet werden. Noch sei der Platz etwas „überdimensioniert“, sagt Krafthöfer. Doch das gebe die Möglichkeit für weitere Expansion. In Laisa wäre es zu eng geworden, auch die Halle in Allendorf „platzt aus allen Nähten“. Für den zusätzlichen Standort in Frankenberg spreche vor allem die Verkehrsanbindung. Denn viele Mitarbeiter hätten keine Möglichkeit, von Frankenberg aus ins Obere Edertal zum Arbeiten zu fahren, sagt Klaus Krafthöfer. Die hätten mit der MMH-Erweiterung jetzt eine gute Möglichkeit, in der Illerstadt Geld zu verdienen.

Die 35 Mitarbeiter in Frankenberg arbeiten Voll- und Teilzeit. Ebenso wie in Laisa und Battenfeld seien die Arbeitszeiten flexibel zwischen 6 und 22 Uhr einzurichten – beispielsweise für Mütter, die erst ihre Kinder in den Kindergarten bringen müssen. „Das passt zum Thema familienfreundliche Stadt“, erklärt Klaus Krafthöfer.

Möglich ist diese Expansion, weil MMH breiter aufgestellt ist und zusätzliche Kunden gefunden hat. War noch vor wenigen Jahren die Automobilindustrie wichtigster Auftraggeber, sind weitere Branchen hinzugekommen – während der Krise haben Sittler und Gaul viele Briefe verschickt und ihr Unternehmen vorgestellt. Vor allem von der Kosmetikindustrie profitiere MMH, sagen die beiden Geschäftsführer.

Es sei ein Vorteil, dass die Firma nicht abhängig von einer Branche sei. Flexibilität ist Trumpf: Der Betrieb montiert unter anderem Klebstoff-Kartuschen für den amerikanischen Flugzeughersteller Boeing. In Battenfeld montieren rund 70 Mitarbeiter einen Cremespender für Avon aus sieben Einzelteilen zusammen – derzeit 60 000 Stück pro Woche, Tendenz steigend. Denn bislang wird das Produkt nur in den USA verkauft, weitere Märkte sollen noch erschlossen werden – mit in Laisa montierten Spendern. Trotz der großen Stückzahl wäre die maschinelle Fertigung noch zu teuer, sagt Betriebsleiter Krafthöfer.Der Pharmakonzern Beiersdorf (Nivea) lässt zuvor in der Slowakei montierte Flaschen jetzt in Laisa zusammenbauen. „Unser Vorteil ist vor allem die Flexibilität und die Qualität“, sagt Marco Gaul. Konkurrenten säßen vor allem ist osteuropäischen Staaten mit niedrigem Lohnniveau: „Es ist ein ständiger Preiskampf.“ Möglich ist das Überleben nur, weil MMH vor allem im Niedriglohnsektor Mitarbeiter beschäftigt und dadurch wettbewerbsfähig ist: „Mit höheren Löhnen würde es uns nicht geben“, sagen Gaul und Sittler. Und Klaus Krafthöfer ergänzt: „Ohne uns gäbe es in der Region mehr Hartz-4-Empfänger.“

Vor der Wirtschaftskrise beschäftigte MMH 380 Mitarbeiter. Mit der nachlassenden Nachfrage musste MMH von März bis August 2009 Kurzarbeit für rund 70 Mitarbeiter anmelden. Viele Angestellte wurden in dieser Zeit weitergebildet. 90 mussten allerdings entlassen werden. Vor allem aus der Automobilbranche ließen die Aufträge nach.

Nach der Krise ging es schnell aufwärts. Gaul und Sittler stellten zuvor entlassene Mitarbeiter wieder ein – und noch mehr: 290 Menschen arbeiteten während der Krise bei MMH, heute sind es 470, davon 65 Prozent in Vollzeit. Der größte Teil der Mitarbeiter – etwa 85 Prozent – ist weiblich. Der ehemals nur auf Montage spezialisierte Betrieb will mit Innovationen glänzen. Neu ist zum Beispiel das Ultraschallschweißen, das immer stärker nachgefragt wird. Neu ist auch die so genannte Warmeinbettung von Metallteilen. Dabei wird Metall erhitzt und von Kunststoff ummantelt.Die Zeiten sind rosig – MMH sucht schon weitere Mitarbeiter.

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