Bottendorf: Otto Mrazek verabschiedet

Küster und Metzger in Personalunion

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Willkommen im Rentnerclub: Kundin und Nachbarin Ruth Piro-Klein (rechts) überraschte Ladenmetzger Otto Mrazek an seinem letzten Arbeitstag mit einem Blumengruß der Schulkameraden und Freunde. Marktleiter Matthias und Hildegard Döls dankten für seine langjährige Treue. Das kleine Bild zeigt den Hausmetzger an der Wurstpresse mit Jakob und Margarethe Plett. Foto/Repro: Völker

Burgwald-Bottendorf - Er wollte eigentlich ganz leise und unbemerkt in die Rente gehen, aber dann gab es doch Blumen und Dankesworte an der Ladentheke: Otto Mrazek, Ladenmetzger in Bottendorf, wurde an seinem letzten Arbeitstag überrascht von Freunden und Schulkameraden aus dem Rotlehm, in deren Namen Ruth Piro-Klein ihm die Einladung für künftige Rentner-Treffs aussprach.

Für Bottendorf ist Otto Mrazek seit Jahrzehnten eine Institution: Kaum jemand ist mit der Bevölkerung so eng verbunden wie er. Als Sohn eines österreichischen Vaters, der die Bottendorferin Maria Bomm geheiratet hatte, wurde Otto Mrazek im August 1952 in Frankenberg geboren.

Er besuchte in Bottendorf die Volksschule und begann 1967 bei Willi Loderhose in Frankenberg am Wassertor seine Metzgerlehre. Auch wenn er zunächst bei der Weberei PC Neumann arbeitete, war er nebenberuflich 22 Jahre lang bei den Landwirten in Bottendorf und Willersdorf während der Wintermonate als beliebter Hausmetzger im Einsatz. Das verbindet ihn heute noch mit vielen Familien, die längst keine eigene Landwirtschaft mehr haben oder Tiere halten.

Vom Vater Alfred Mrazek übernahm der Sohn auch bereits in ganz jungen Jahren das Küsteramt. Er diente unter mehreren Pfarrern, wobei ihn Dr. Gustav Hammann (1922-1978) besonders prägte. In dessen Amtszeit fiel auch der Neubau der Martinskirche, die 1968 eingeweiht wurde.

Neben den Küster-Aufgaben an den Sonntagen und bei Amtshandlungen gehört für Otto Mrazek auch, getreu dem Anspruch der Kurhessisch-Waldeckischen Landeskirche auf „offene Kirchen“ jeden Morgen vor Arbeitsbeginn das Gotteshaus aufzuschließen.

In das Edeka-Team von Matthias und Hildegard Döls wurde Otto Mrazek 1991 als Ladenmetzger aufgenommen.

Manchmal vermischten sich auch die Rollen des Küsters und des Ladenmetzgers: Da konnten sich Kunden nach Gottesdienst-Terminen erkundigen, und wer den letzten versäumt hatte, bekam von Otto Mrazek gern die aktuelle Predigt als Zugabe ausgehändigt. Pfarrer Konrad Schullerus versorgte ihn mit entsprechend vielen Kopien. (vk)

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