Frankenberg

Kurios: Ortsbeiratsposten wird verlost

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- Frankenberg (jos). „Freistaat D“ haben die Dörnholzhäuser einmal auf ihre Begrüßungstafel am Ortseingang geschrieben. Die Bewohner des kleinsten Frankenberger Stadtteils sind ohne Frage ein besonderes Völkchen. Doch von ihrem demokratischen Recht, zu wählen, haben sie mehr Gebrauch gemacht als alle anderen Frankenberger.

Dörnholzhausen ist immer für einen besonderen Einfall gut: Mal veranstalten die Bewohner des landwirtschaftlich geprägten Dorfes ein 24-Stunden-Pflügen mit Oldtimer-Traktoren, mal testen sie bei einem Fest ihre Geschicklichkeit im Rundballen-Rollen. Da passt es auch gut ins Bild, dass die Dörnholzhäuser bei der Kommunalwahl einen Rekord aufgestellt und für eine Kuriosität gesorgt haben.

Die Kuriosität: Nach der Wahl zum Ortsbeirat muss das Los darüber entscheiden, ob künftig Heinz Dersch oder Karl-Heinz Gaul dem Gremium angehört. Wie es dazu kommt? Auf der Einheitsliste waren sechs Kandidaten nominiert, die sich um fünf Posten im Ortsbeirat beworben haben. Auf den Rängen fünf und sechs erhielten Dersch und Gaul die gleiche Anzahl an Stimmen. Deshalb kommt Wahlleiter und Hauptamtsleiter Manfred Greif zur konstituierenden Sitzung des Ortsbeirats dazu und leitet die Verlosung des fünften Mandats – so will es das hessische Kommunalwahlrecht.

Der Dörnholzhäuser Rekord: In dem 70-Seelen-Dorf war die Wahlbeteiligung so hoch wie in keinem anderen Ort der Region. Von den 48 Wahlberechtigten gaben 46 ihre Stimmzettel ab – das entspricht einer Quote von 95,8 Prozent.Generell gilt in Sachen Wahlbeteiligung in Frankenberg offenbar folgende Regel: Je kleiner der Stadtteil, desto größer die Wahlbeteiligung. Erschreckend gering indessen ist die Wahlbeteiligung in den Bezirken der Kernstadt gewesen. Nicht mal jeder vierte Wahlberechtigte aus der Altstadt gab seine Stimmen ab – im Bezirk Stadthaus lag die Beteiligung bei gerade mal 23,3 Prozent. Ähnlich dürftig war die Wahlbeteiligung mit 23,9 Prozent auch im Bezirk Landratsamt. Am Hinstürz und im Ederdorf sieht es kaum besser aus – dort lag die Beteiligung bei rund 30 Prozent. Insgesamt liegt die Wahlbeteiligung im Stadtgebiet bei 45,1 Prozent.

Im Ederdorf und dem Wohngebiet Hinterscheide hatte die CDU versucht, Stimmen zu fangen – indem sich einzelne Kandidaten kritisch zu den Schweinemast-Plänen eines Rodenbacher Landwirts äußerten. Die Partei insgesamt ruderte kurz darauf zurück, um nicht bei der traditionell für die CDU wichtigen Wähler-Klientel Landwirte zu verlieren. Das Wahlkampfmanöver in Sachen Schweinemast könnte ursächlich sein für zwei Dinge: Im landwirtschaftlich geprägten Dörnholzhausen hat die CDU deutlich weniger Stimmen erhalten als 2006. Und innerhalb der CDU-Liste ist ein Landwirt der Einzige, der durch Kumulieren und Panaschieren deutlich nach oben gerutscht ist: Matthias Landau stand auf Platz 15 und landete auf 9 – damit schafft er den Sprung ins Parlament.

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