Battenberg

Kurzarbeit auf dem "Auhammer"

- Battenberg (da). Das Eisenwerk Hasenclever führt wieder die Kurzarbeit ein: Vom 14. Dezember an ruht der Betrieb zunächst komplett. Nach dieser so genannten „Kurzarbeit Null“ arbeiten alle 600 Angestellten ab dem 4. Januer 2010 nur vier Tage in der Woche. Das teilte Geschäftsführer Thomas Martin auf WLZ-FZ-Anfrage mit.

Bereits seit Anfang des Jahres hatte das Unternehmen im Zuge der internationalen Wirtschaftskrise Kurzarbeit angemeldet. Ab September hatten die Beschäftigten wieder normal gearbeitet, jetzt ist die Auftragslage wieder zurückgegangen. Die Kurzarbeit zieht sich dieses Mal durch alle Abteilungen, während im vergangenen Jahr die Entwicklungssparte ausgenommen war. Die Entwicklung neuer Produkte habe aber einen Stand erreicht, „der das erlaubt“, sagte Martin.

Beantragt ist die Kurzarbeit bis Oktober 2010. „Wenn vorher ein Boom käme, könnten wir kurzfristig reagieren“, erläuterte der Geschäftsführer. „Das ist aber eher nicht zu erwarten.“ Eine Besserung der Auftragslage erwartet das Unternehmen, das vor allem von der Automobilindustrie abhängig ist, ab dem Jahr 2011: Dann bauen immer mehr Automobilhersteller Turbolader in Benzinmotoren ein, um die Leistung zu erhöhen, den Kraftstoffverbrauch aber zu senken. Das Eisenwerk Hasenclever hat für die großen deutschen Hersteller die Gehäuse für diese Turbolader entwickelt und erwartet deshalb auch die Produktionsaufträge. Im nächsten Jahr soll die Herstellung von Vorserien beginnen.

Im Jahr 2012 ist die Produktion von jährlich mehr als fünf Millionen dieser Gehäuse geplant. Rund 3,8 Millionen Euro hat das Unternehmen dafür in diesem Jahr investiert, unter anderem in eine neue Schmelzanlage. Der „Auhammer“ soll damit gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Ganz überraschend kommt die Wiedereinführung der Kurzarbeit nicht. Thomas Martin hatte bereits im August betont, dass das Jahr 2010 noch sehr schwierig werde. Im Winter lasse die Auftragslage saisonbedingt immer nach. Von der Abwrackprämie hatte das Traditionsunternehmen in diesem Jahr kaum profitiert: Die Turbolader-Gehäuse werden in kleine Fahrzeuge, wie sie durch das Konjunkturprogramm hauptsächlich nachgefragt wurden, nur selten eingebaut. Das Unternehmen hat bereits im Frühjahr wegen der Kurzarbeit Weiterbildungen für alle Mitarbeiter angeboten.

Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, hatten sich die Unternehmensleitung und die Mitarbeiter bereits im Sommer auf ein dreiteiliges Konzept geeinigt. Der erste Beitrag stammt von den Mitarbeitern, die 2009 und 2010 insgesamt auf drei Millionen Euro Lohn und Gehalt verzichten. Mit der IG Metall wurde dafür ein sogenannter „Sanierungstarifvertrag“ abgeschlossen. Die Gesellschafter stellen dem Unternehmen zusätzlich 4,3 Millionen Euro zur Verfügung. Dazu erhält das Eisenwerk eine Fremdfinanzierung von einer Million Euro.

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