Platzer in Rennertehausen unterwegs

Lärmen für Händler und junge Frauen

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Platzten in diesem Jahr bei 89 jungen Rennertehäuserinnen und 29 Geschäftsleuten (von links): Andre Jakobi, Florian Hesse, Patrick Werner, Carsten Schäfer, Jan-Hendrik Koch, Yannic Holzapfel und Benjamin Geisert.Foto: Nicole Hofmann

Allendorf-Rennertehausen - Der Brauch des Platzens hat eine lange Tradition, die jedes Jahr am 27. Dezember in Rennertehausen und anderen Dörfern im Frankenberger Land gepflegt wird. Es geht um Wurst, Schnaps - und viel Spaß.

Es ist 10 Uhr: Die Platzer treffen sich im Sportlerheim in Rennertehausen. Bevor das Platzen beginnt, stärken sich die sieben jungen Männer mit Brötchen - ein langer Tag liegt vor ihnen. Drei von ihnen sind in diesem Jahr erstmals dabei. Damit der Peitschenschlag auch einen Knall erzeugt und diese Knalle einheitlich im Takt ertönen, haben die Platzer bereits Wochen zuvor begonnen zu üben.

Nachdem alle Platzer gestärkt sind, geht es los: Zunächst mit dem Auto, denn die Platzer präsentieren ihr Können zu Beginn den Rennertehäuser Geschäftsleuten, die ihre Geschäfte in Allendorf, Battenfeld und Battenberg haben. Im Anschluss gibt es in einem Battenberger Restaurant Mittagessen für die Platzer und die beiden Fahrer, die die Gruppe danach wieder nach Rennertehausen bringen.

Mittlerweile ist es 14 Uhr. Von nun an wird der Rest des Weges zu Fuß bestritten: Einmal durch das ganze Dorf - von der Jahnstraße über die Blumenthalstraße bis hin zum Grünweg. An 89 Stationen im Dorf machen die Platzer in diesem Jahr Halt, platzen für die ansässigen Geschäftsleute oder die dort wohnenden konfirmierten, aber noch unverheirateten Frauen. Zum Platzen verteilen sich jeweils vier Platzer auf dem Hof oder der Straße vor dem Haus und lassen ihre Peitschen im Vierertakt erklingen. Nach dem Platzen bieten die Männer den Frauen eine Kostprobe des eigens für das Platzen hergestellten Dreschmaschinenschnaps an und laden sie zur Feier am Abend im Sportlerheim ein.

Um 18 Uhr ist schließlich mehr als drei Viertel der Route absolviert. Bevor bei den verbleibenden Haushalten geplatzt wird, kehren die Männer bei einem der Platzer zu Hause ein: Es gibt Schnitzel. Neben den Platzern sind zu dieser Uhrzeit längste weitere junge Männer in kleinen Gruppen im Dorf unterwegs: Sie sammeln Geldspenden, Eier und rote Wurst für die abendliche Feier.

Gegen 21 Uhr treffen die Platzer schließlich im Sportlerheim ein. Dort haben sich bereits die Sammler und die restliche Dorfjugend versammelt. Die Feier kann beginnen. (nih)

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