Vortrag bei der Frankenberger Bank

Es läuft rund - und so soll es bleiben

+
Europas Motor Deutschland läuft nach Ansicht der DZ Bank rund – angetrieben vom Export. Ein globaler Blick auf die Wirtschaft wurde im Haupthaus der Frankenberger Bank geworfen.

Frankenberg - Viele Chancen - aber auch große Risiken: So bewertete Jan Holthusen beim "Jahresauftakt für Entscheider" der Frankenberger Bank die künftige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und der Welt.

Aufwärts geht es mit der Wirtschaft – in Deutschland, Europa und der Welt. Das sieht zumindest die DZ Bank so, das Zentralinstitut der genossenschaftlichen Banken. Ihr höchster Anleiheanalyst, Dr. Jan Holthusen, sprach gestern vor mehr als 50 „Entscheidern“ der Region im Stammhaus der Frankenberger Bank – die zu den gut 900 genossenschaftlichen Eigentümern der DZ Bank gehört.

„Wo steht Deutschland mit der neuen Regierung?“ lautete die Fragestellung des Abends. Doch Holthusens Ausführungen sollten wissenschaftlich statt politisch werden. Gleichwohl merkte er mit Bezug auf den Bericht der Wirtschaftsweisen aus dem Herbst des vergangenen Jahres an, dass viele im Koalitionsvertrag festgeschriebene Vorhaben ein großes Risiko darstellten. Er nannte etwa die Rente mit 63 Jahren: „Das macht uns unglaubwürdig in der EU und ist demografisch unsinnig“, griff Holthusen das Projekt scharf an. Ähnlich bewertete er den Mindestlohn: „Höhere Arbeitslosigkeit gibt es eigentlich nur noch bei den Geringqualifizierten. Und dort ist ein Mindestlohn besonders hinderlich“, sagte er. Holthusen erklärte die Möglichkeit, dass „Deutschland am Ende der Dekade wieder der kranke Mann Europas ist“, wenn nicht vorausschauende Politik betrieben werde. Er wiederholte die Aussage der Wirtschaftsweisen, dass die derzeitige wirtschaftliche Stärke des Landes irrtümlicherweise als gegeben, nicht als Ergebnis eines harten Prozesses mit der Agenda 2010 im Mittelpunkt gewesen sei.

Wirtschaft auf gutem Wege

Kurz- und mittelfristig aber zeichnete Jan Holthusen im Seminarraum des heimischen Finanzinstituts das Bild einer durchaus als rosig zu bezeichnenden Zukunft: „Die Weltwirtschaft ist auf gutem Wege“ und Deutschland profitiere als exportorientierte Nation von diesem Umstand in besonderem Maße. Sein Finanzinstitut rechne mit einem Wachstum von drei bis vier Prozent auf den Weltmärkten. „Das ist zwar im historischen Blick für eine Aufschwungphase nicht allzu viel“, sagte er. Doch nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre sei es ein solides Signal – das auch auf das Jahr 2015 wirkt. Für Deutschland sah er eine Wachstumsrate um 2,5 Prozent als realistisch an – nachdem 2013 gefühlt ein starkes, tatsächlich aber ein sehr schwaches Jahr gewesen sei.

Triebfeder für das deutsche Wachstum sei wiederum Europa, führte Holthusen aus. „Für die Südländer erwarten wir 2014 ein leichtes Plus“, zeigte er sich zuversichtlich. Zumindest in der Realwirtschaft sei die Krise weitgehend überwunden – auch wenn Risikofaktoren blieben: Für Griechenland halte er ein weiteres Hilfspaket für wahrscheinlich, Portugal sei politisch instabil, Frankreich komme nur langsam auf die richtige Bahn und Italien habe seine Hausaufgaben nicht gemacht. „Wenn da etwas passiert, dann war Griechenland Peanuts – auch wenn man das als Banker nicht mehr sagen sollte“, warnte Holthusen.

Triebkräfte des deutschen Erfolgs seien aber auch die niedrigen Zinsen, erklärte er: Sie brächten Geld in den wirtschaftlichen Kreislauf. Mittelfristig aber sagte er steigende Zinsen voraus: In den USA gebe es erste Signale zur Erhöhung des Leitzinses. Dass Europa – nach einer möglicherweise vorangehenden kurzfristigen Senkung – dann nachhole, sei erwartbar. Auch eine Renaissance des Dollar sah er: Die Währung werde mittelfristig gegenüber dem Euro aufwerten, also teurer werden. Gleiches gelte für den japanischen Yen oder das britische Pfund, wohl aber nicht für den Schweizer Franken.

10 000 Punkte durchbrechen

So war Holthusens Fazit ein weitgehend positives. Deutschland bleibe der Motor Europas – auch langfristig, wenn die Politik diese Chance nicht verspiele. Die Erholung der Krisenländer dürfte sich beschleunigen – auch wenn die Schuldenkrise noch nicht durchgestanden ist. Auch die Aktienmärkte bewertete der Analyst noch mit Potential – auch wenn der Dax schon sehr hoch steht: „Künftig werden wir die 10 000-Punkte-Marke wohl nur noch von oben betrachten“, prophezeite er.

Kommentare