Landes-Kenner Dr. Ulrich Kleinewillinghöfer über die Fußball-Begeisterung in Ghana

+
Große Sympathien für Ghana: Dr. Ulrich Kleinewillinghöfer tippt dennoch bei der WM in Brasilien auf einen 3:2-Sieg für Deutschland.

Frankenberg/Agou. Wenn Dr. Ulrich Kleinewillinghöfer heute Abend ab 21 Uhr das WM-Spiel Deutschland gegen Ghana schaut, drückt er der DFB-Elf fest die Daumen und tippt auf einen 3:2-Sieg für Jogis Jungs. "Mein Herz schlägt aber auch für Ghana", sagt der Frankenberger, der sich in dem Land gut auskennt.

Von 1996 bis 2006 hat er in Ghana in der dortigen Volta-Region im Südosten des Landes Sprachforschung betrieben. Dabei hat er unter anderem mitbekommen, wie fußballbegeistert die Ghanaer sind. Auch heute hat er noch immer gute Kontakte in das Land.

"In Ghana gibt es 80 Sprachen sowie zahlreiche ethnische Unterschiede und kulturelle Diversitäten. Aber wenn die Nationalmannschaft kickt, deren Spieler sich als ,Black Stars bezeichnen, trägt das stark zur nationalen Einheit bei", sagt Kleinewillinghöfer.

Er berichtet davon, dass bei Fußballspielen der "Black Stars" überall in Ghana, wenn es Stromversorgung und Antennenempfang zulassen, Fernsehgeräte im Freien aufgebaut werden, vor denen sich Menschenmassen tummeln, um die Partien zu verfolgen.

Der Sprachwissenschaftler hat auch miterlebt, wie gerne die Ghanaer selbst gegen den Ball treten. In dem kleinen Dorf Agou im ländlich geprägten Nkwanta-Distrikt, wo sich Kleinewillinghöfer während seiner vielen Forschungsreisen in der Regel aufgehalten hat, war er einmal Zuschauer eines lokalen Fußballspiels. "In den ländlichen Regionen Ghanas gibt es keine Liga-Strukturen oder Verbände. Da kicken einfach zwei Dörfer gegeneinander."

Kleinewillinghöfer kommt ins Schwärmen, wenn er von den Fähigkeiten der ghanaischen Straßenfußballer erzählt. "Technisch sind sie sehr stark. Das liegt vor allem daran, dass sie lernen, auf jedem Untergrund mit dem Ball umzugehen", sagt er. Es gebe viele Fußballplätze im Land, aber die meisten erinnerten eher an eine "Buckelpiste". "Leider hapert es bei Ghana bei großen Turnieren wie der WM oft beim Torabschluss. Das ist bei vielen afrikanischen Teams das Problem."

Von Philipp Daum

Quelle: HNA

Kommentare