Battenberg

Landesbürgschaft für den "Auhammer"

- Battenberg (da). Eine Landesbürgschaft soll den traditionsreichen „Auhammer“ in Battenberg durch die Krise führen. Doch bei der Rettung spielen auch Mitarbeiter, Gesellschafter und Kunden eine wichtige Rolle.

Die Lage auf dem Auhammer ist ernst, wenngleich nicht hoffnungslos. Durchsteht das Eisenwerk Hasenclever die Krise, soll es langfristig sichere Arbeitsplätze bieten. „Wir haben im vergangenen Oktober erkennen müssen, dass wir für die Jahre 2010 und 2011 ein weiteres Rettungspaket für das Unternehmen brauchen“, beschrieb Geschäftsführer Thomas Martin die Lage. Gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden Erich Battenfeld informierte er am Mittwoch über die Lage im Betrieb.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Wirtschaftskrise den „Auhammer“ mit seinen 600 Mitarbeitern getroffen – das Battenberger Traditionsunternehmen ist Automobilzulieferer, konnte aber auch von der Abwrackprämie kaum profitieren. Thomas Martin spricht von einem Einbruch von 40 Prozent: 60 Millionen Euro habe das Eisenwerk Hasenclever im vergangenen Jahr umgesetzt. Üblich seien 100 bis 120 Millionen Euro. Mit Kurzarbeit und zusätzlichen Geldern der Muttergesellschaft sollte das Eisenwerk durch die Krise gerettet werden.

Doch das reichte nicht. Während im Herbst die Krise allgemein ihren Schrecken verloren habe, „gab es diesen Effekt bei uns nicht“, sagte Martin. Die Auhammer-Produkte waren weitaus weniger gefragt als erwartet. „Ohne ein neues Rettungspaket wären wir im ersten Quartal 2010 in die Zahlungsunfähigkeit gelaufen“.

Dieses Rettungspaket sieht eine Bürgschaft des Landes in Höhe von 7,5 Millionen Euro vor. Dieses Geld muss wie ein normaler Kredit zurückgezahlt werden. Daran geknüpft sind aber Bedingungen: Gesellschafter, Mitarbeiter und Kunden müssen ebenfalls dazu beitragen, dass das Unternehmen überlebt.

Zuvor hatten externe Berater ebenso wie Experten des Landes dem „Auhammer“ eine positive Prognose gegeben – eine Voraussetzung für die Landesbürgschaft. „Das Land hat die Aufgabe, nur die Unternehmen zu stützen, die eine positive Zukunftsprognose haben“, sagte Thomas Martin. Und die hat das Unternehmen nach Einschätzung von Experten: Mit Turboladern will das Eisenwerk ab 2012 wieder in die Gewinnzone fahren. Sie werden aus speziellem hochwärmefestem Stahlguss gefertigt (siehe Kasten). „Wenn es gelingt, ein Rettungspaket für 2010 und 2011 zu schnüren, haben wir in den Folgejahren eine stabile Basis und eine gute Zukunft“, erklärt der Geschäftsführer. Daran geknüpft ist aber, dass Mitarbeiter, Kunden und Gesellschafter ihren Beitrag leisten. Die meisten Punkte stehen schon fest, noch sind aber einige Vereinbarungen schriftlich festzuhalten – sonst zieht das Land die Bürgschaft zurück. „Es darf nicht ein Baustein rausfallen, sonst fällt das Kartenhaus zusammen“, erklärte Thomas Martin. „Die Gesamtsituation ist so, dass wir nicht viel Wasser unterm Kiel haben.“ Mitte März stehe endgültig fest, ob alle Bedingungen für die Bürgschaft erfüllt sind.

Die Mitarbeiter müssen weitere Einschnitte hinnehmen, nachdem sie schon seit Beginn der Kurzarbeit im vergangenen Jahr finanzielle Einbußen zu verkraften hatten. „Es ist die Grenze des Zumutbaren“, sind sich Thomas Martin und Erich Battenfeld einig. Neben der Kurzarbeit verzichten die Angestellten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

In einer Mitgliederversammlung der IG-Metall hätten 70 Prozent der Mitarbeiter diesem Konzept zugestimmt. „Da wird es bei einigen eng“, beschrieb Betriebsratschef Battenfeld die Belastungen. In den vergangenen fünf Jahren hätten die Arbeiter auf insgesamt 8,5 Millionen Euro verzichtet. Eine Lohnerhöhung um 2,1 Prozent wurde um 19 Monate auf das nächste Jahr verschoben.

Thomas Martin stellte aber zugleich klar: „Verzichten kan man nur, wenn man überzeugt ist, dass es wieder besser wird. Verzicht ist aber nicht unser Zukunftsmodell.“ In diesem und im nächstem Jahr seien Einschnitte aber unumgänglich. Im Gegenzug seien betriebsbedingte Kündigungen bis 2016 ausgeschlossen. Den Mitarbeitern sei die Situation bewusst, sagt Thomas Martin: „Wenn Arbeitsplätze bei Autozulieferern wegfallen, kommen sie an diesem Standort nicht wieder. Die Leute engagieren sich und ziehen mit.“

Auch die Kunden müssen ihren Beitrag leisten und Preiserhöhungen hinnehmen. Ihren Teil zur Rettung des Unternehmens tragen aber auch heimische Geldinstitute bei: Die Sparkasse Battenberg als Hausbank und neuerdings auch die Frankenberger Bank. Das Unternehmen habe stets auf die regionalen Banken gesetzt: „Das hilft uns in der Krise.“

Thomas Martin ist zuversichtlich, dass die Auhammer-Zukunft langfristig gesichert ist, wenn in drei Wochen die Landesbürgschaft endgültig feststeht. „Wenn nicht der Himmel runterfällt, sollte das so sein.“

Um Geld zu sparen, gilt derzeit auf dem Auhammer die Vier-Tage-Woche: Montags ruhen die Maschinen. Das bedeute aber auch andere Anforderungen an die Mitarbeiter, sagen Martin und Battenfeld: Sie müssten flexibler sein, beispielsweise könne die Schicht schneller wechseln. Immerhin: 20 Arbeiter sind mit Zeitverträgen eingestellt worden, um die Aufträge abzuarbeiten.

Thomas Martin sieht Licht am Ende des Tunnels. „Durch dieses Tal müssen wir durch. Dann nehmen wir auf Jahre hinaus eine dominierende Stellungunter den weltweiten Automobilzulieferern ein.“

Langfristig habe das Eisenwerk nur eine Zukunft mit Nischenprodukten. „Wir müssen immer neue Ideen entwickeln und innovativer sein als alle anderen, uns von Wettbewerbern abheben. Know-How und Spezialwissen sind die Basis für den Fortbestand des Auhammers“, erklärt der Geschäftsführer.

Auch bei Teilen für künftige Motorengenerationen – in der Ära nach den Benzinmotoren mit Turboladern – soll das Battenberger Eisenwerk damit seinen Platz finden. Thomas Martin betonte: „Zu einer Situation wie jetzt darf es nicht wieder kommen.“

Kommentare