Anklage: Zwangsversteigerter Hof sollte explodieren – Menschenleben waren in Gefahr

Landwirt bohrte eine Gasleitung an

Marburg. Weil er eine Gasleitung angebohrt haben soll, damit sein zwangsversteigerter Hof explodiert, steht seit Mittwoch ein 64-jähriger ehemaliger Landwirt vor dem Marburger Landgericht. Am 4. März hatte ein Gasalarm die Bewohner von Oberweimar in Angst und Schrecken versetzt, fünf Stunden war der Bereich um ein Anwesen abgesperrt, zahlreiche Menschen mussten evakuiert werden.

Ein voll besetzter Schwurgerichtssaal und viele Medienvertreter zeugten vom Interesse, das der Fall hervorruft. „Ich bin ein ganz schwerer Verbrecher“, sagte der Angeklagte angesichts der Kameras, als er in Handschellen in den Saal geführt wurde. Zu den Vorwürfen schwieg er jedoch.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, bereits am 2. März in den Abendstunden ein etwa sechs Millimeter breites Loch in die Gasleitung gebohrt zu haben. Sein Ziel sei es gewesen, dass ein Mensch, der den Hof betritt, durch eine „zufällige Zündquelle“ eine Explosion herbeiführt. Dass dieser dabei ums Leben gekommen wäre, habe der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen. Heimtücke als Mordmerkmal liege vor, weil ein potentielles Opfer völlig ahnungslos gewesen wäre, so Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier. Angeklagt ist der Mann zudem wegen zwei Verstößen gegen das Waffengesetz. So seien bei ihm mehrere Patronen sowie Sprengkapseln und Zündschnüre gefunden worden.

Der Prozess ist zunächst auf vier Verhandlungstage angesetzt und geht am 21. September weiter. Die Staatsanwaltschaft muss wegen seines Schweigens nun beweisen, dass der Angeklagte die Tat begangen hat. Laut eigenen Angaben lebt er bei seiner Tochter im Allgäu.

Ein ehemaliger Nachbar, der nebenberuflich als Hausmeister in einer an das Anwesen des Angeklagten angrenzenden Lerneinrichtung für Medizinstudenten arbeitet, hatte Polizei und Feuerwehr alarmiert, als er Gasgeruch bemerkt hatte. Wie einer der Gesellschafter der Lerneinrichtung berichtete, habe die Zwangsversteigerung am 2. März unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen mit Leibesvisitationen stattgefunden. Nachher habe er erfahren, dass es im Vorfeld Drohungen gegeben habe. Am Tag des Gasalarms habe er dann noch von Polizisten mitgeteilt bekommen, dass auch eine Gefahr von persönlichen Anschlägen gegen ihn und Mitarbeiter bestehe. Persönlich sei er jedoch nicht bedroht worden. Man habe zwar das Höchstgebot bei der Versteigerung abgegeben, aber zunächst noch nicht den Zuschlag bekommen. Zusammen mit einem weiteren Gesellschafter sei er deshalb auch nur an das Gebäude, nicht aber hineingegangen.

Von Marco Krause

Quelle: HNA

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