Uhr wird am Sonntag von drei auf zwei zurückgestellt

Lange Nacht für Uhrensammler

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Battenberg-Frohnhausen - Eine Stunde geschenkt gibt es Sonntagnacht. Die Uhr wird von Sommer- auf Winterzeit zurückgedreht. Für Uhrensammler ist die gewonnene Stunde aber schnell wieder verronnen. Erwin Koch brauchte immer zwei Stunden, um seine Wanduhren neu einzustellen.

Im Arbeitszimmer von Erwin Koch hängen etwa 90 Uhren an der Wand. Große runde, kleine eckige und viele bunte hängen dicht an dicht. Aus jeder Ecke ist ein Ticken zu hören. Aber längst nicht alle 90 Uhren ticken heute noch. „Sie gehen alle“, stellt der Uhrensammler klar. „Aber es sind nicht mehr überall Batterien drin.“ Das sei eine Kostenfrage und auch Energieverschwendung.

Bis vor ein paar Jahren liefen die Uhren noch alle, füllten das Zimmer noch mehr mit ihrem Ticken. Und Erwin Koch saß zwei Mal im Jahr in dem kleinen Raum, um die Uhren umzustellen. Eine Stunde vor – ein halbes Jahr später wieder eine Stunde zurück. „Zwei Stunden war ich da immer mindestens beschäftigt.“ So lange dauert es heute nicht mehr. Der 72-Jährige stellt nur noch die Uhren in den Wohnräumen um, und einige wenige im Arbeitszimmer.

„Die Uhren sind mein Hobby – oder ein Tick“, sagt der Frohnhäuser mit einem Lachen. Angefangen hatte die Sammelleidenschaft vor zehn Jahren. Damals arbeitete Koch als Fahrer für eine Getränkefirma. „Wenn man da die ganze Zeit unterwegs ist, kommen einem die dollsten Ideen.“ Irgendwann habe er sich gedacht, er könne ja Uhren sammeln. Den Start machte ein Werbegeschenk: Seine erste Uhr bekam der 72-Jährige von einer Brauerei geschenkt. Ab dann habe er in den Brauereien und Gaststätten, die er angefahren hatte, nachgefragt. „Ich habe fast keine Uhr gekauft“, erzählt Koch. Die meisten waren Werbegeschenke. Geschenkt bekam er auch sein Lieblingsstück: Eine Uhr, die aussieht, als wäre sie in einen Autoreifen gebaut. Für Koch hat die Uhr eine Beziehung zu seiner Arbeit als LKW-Fahrer und zu seiner Leidenschaft für den Rennsport. „Die Uhr habe ich von einem Bekannten aus dem Dorf geschenkt bekommen.“ Überhaupt wüssten viele Bekannte von seiner Sammelleidenschaft – immer mal wieder ruft jemand an und schenkt ihm eine Uhr. Jetzt hat Koch so viele, dass er nur noch nach außergewöhnlichen Stücken Ausschau halte. Eines dieser außergewöhnlichen Stücke ist eine Uhr, die mit Bäumen und Hirschen verziert ist. Die hat er auf einem Flohmarkt in Frankenberg entdeckt – für den Sammler ein Schnäppchen.Am längsten hängt bei dem Sammler eine kleine Kuckucksuhr: Fast 35 Jahre ist sie alt – und hing schon im Haus, bevor der Frohnhäuser seine Liebe zu Uhren entdeckte.

„Andere sammeln Bierdeckel oder Briefmarken“, sagt Koch. Bei ihm seien es eben Uhren. Modell-LKW habe er auch lange Jahre gesammelt. Mehr als 800 verschiedene – noch originalverpackt – zieren ebenfalls eine Wand im Arbeitszimmer. An denen hat Koch aber keinen Spaß mehr. „Ich würde sie gerne verkaufen“, erzählt er. Dann habe er auch wieder mehr Platz, um weitere Uhren aufzuhängen.

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