TSV Viermünden/Schreufa hat mit viel Eigenleistung eine 700 Meter lange Finnenbahn gebaut

Laufen wie auf weichem Waldboden

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Gelenkschonend ist das Laufen auf der Finnenbahn, die von Finnen entwickelt wurde, die eine Alternative zum Ausdauertraining auf der Tartanbahn gesucht haben. Fotos: Rouven Raatz

Frankenberg-Viermünden - Als erster Verein im Frankenberger Land hat der TSV Viermünden/Schreufa eine Finnenbahn gebaut. Das Laufen auf Holzhackschnitzeln gilt als besonders gelenkschonend. Theo Schätte sieht in der 700 Meter langen Bahn auch ein besonderes Angebot für Breitensportler.

Der TSV ist seit Jahren für seine engagierte Jugendarbeit bekannt: Doch der Verein will nicht nur Heimat für ambitionierte Kinder und Jugendliche sein, sondern allen Gesellschaftsgruppen Bewegungsangebote unterbreiten. „Wir wollen uns im Breitensport vielfältiger aufstellen“, skizziert Theo Schätte die Beweggründe.

Der Pädagoge ist stellvertretender Jugendleiter im TSV. Er ist einer von drei Schulsportkoordinatoren im Kreis, arbeitet im Sportkreis mit. Und Schätte verschließt sich in den Betätigungsfeldern auch nicht neuen Entwicklungen. Und dies wird am Sportplatz an der Eder deutlich. „Die Finnenbahn ist der vierte Baustein auf dem Weg, das Sportgelände ,Grohweide“ zu einem Sportpark umzubauen.“ Zu den Rasen- und Tennisplätzen sind in den vergangenen Jahren ein Spielplatz, eine Beachvolleyballanlage und ein Soccer Court hinzugekommen.Von seinem Lehrerkollege Nils Milde habe er sich „inspirieren lassen“, betont Schätte. Der erfolgreiche Mittelstreckenläufer hat bereits vor 25 Jahren erste Erfahrungen mit einer Finnenbahn gesammelt. Sein Heimatverein in der Nähe von Paderborn errichtete eine solche Bahn, die ursprünglich von finnischen Ausdauerläufern entwickelt wurde. Die Skandinavier waren auf der Suche nach einer Alternative zum Laufen auf der Tartanbahn.

Rund 15 000 Euro

„Eine Finnenbahn ahmt einen Waldboden nach. Auf einer Finnenbahn ist besonders gelenkschonendes Laufen möglich“, beschreibt Schätte die Vorzüge. „Der Untergrund ist federnd und schlägt nicht so auf die Gelenke durch wie etwa das Laufen auf einer Teerstraße.“ Von Schätte angeregt, machte der TSV Viermünden/Schreufa das Thema Finnenbahn schnell zu einem Großprojekt, bei dem viele Hände anpackten. Federführend waren außer ihm Peter Wienbeck, Horst Isgen und Willi Berg. Beim Bauamt wurde eine Voranfrage gestellt, da der Sportpark im hochwassergefährdeten Gebiet liegt. Ein Finanzierungskonzept wurde aufgestellt, Unterstützer gesucht – und auch gefunden: darunter Krankenkassen, örtliche Geldgeber, eine Bank. „Und wir haben viel Eigenleistung eingebracht.“ Die Finnenbahn ist mittlerweile fertig, einige Ausgleichsmaßnahmen stehen aus. Rasen muss gesät, Bäume gepflanzt werden. „Wenn wir fertig sind, hat uns die Anlage 15 000 Euro gekostet.“ 700 Meter lang ist der Streifen aus Holzhackschnitzeln. Die Bahn verläuft einmal um das gesamte Sportgelände herum. In den ausgehobenen Graben, der zunächst mit einem wasserdurchlässigen Fließ ausgelegt wurde, haben die Viermündener und Schreufaer 105 Kubikmeter „Schnitzel“ aufgetragen.

Sowohl die Jugend-, als auch die Senioren- und Altherrenfußballer der SG Eder laufen inzwischen regelmäßig auf dem neuen „künstlichen Waldboden“: oft nach den eigentlichen Trainingseinheiten. Und sie seien begeistert, sagt Schätte, „auch wenn die ersten Meter gewöhnungsbedürftig sind“. An der ein oder anderen Stelle setzt sich der Belag noch. Grundsätzlich fördert das Laufen auf diesem Boden aber die Stabilisierung des Bewegungsapparats.

Licht auch in dunkler Zeit

Die Finnenbahn in Viermünden soll jedoch nicht nur von den Fußballern genutzt werden, wünscht sich Schätte. „Unsere Intention ist es, dass alle, die Schwierigkeiten mit den Gelenken haben, oder einfach nur gerne laufen, auf unser Angebot zurückkommen.“ Von seinem Kollegen Milde wisse er, dass die Finnenbahn in dessen Heimatort eine der am stärksten frequentierten Sportstätten überhaupt sei. Schätte rechnet deshalb mit starkem Zulauf in der dunklen Jahreszeit. „Solange bei uns der Trainingsbetrieb läuft, ist das Gelände beleuchtet.“ In Viermünden wird täglich trainiert. „Vor allem Frauen, die im Winter im Dunkeln ungern laufen, können hier bei uns ohne Angst Sport treiben.“

Von Rouven Raatz

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