Lautenschläger stellt Bewilligung für Linspher-Renaturierung in Aussicht

- Bei der Renaturierung der Linspher soll einigen Fischen, die nicht so leicht gegen den Strom schwimmen können, die Durchwanderung des Baches erleichtert werden. Die Gesamtkosten betragen 182.000 Euro.

Renaturierung – dieses Wort steht dafür, dass Menschen ihre Eingriffe in die Natur wieder rückgängig machen. Im Tal zwischen Bromskirchen und Neuludwigsdorf soll dies mit dem Bachlauf der Linspher geschehen – für insgesamt 182 000 Euro. Am Mittwochnachmittag kündigte Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) bei einem Besuch am Silbersee den Eingang des Bewilligungsbescheids für die nächsten Wochen an. Einst verlief die Linspher mitten durch das Tal bei Bromskirchen. Doch der Bachlauf wurde verlegt, vermutlich um die nassen Auwiesen trockenzulegen und die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen. Mittlerweile verläuft die Linspher hinter einem Wall parallel zum Silbersee, der in den 1970er-Jahren künstlich angelegt wurde. Da durch den Silbersee ein originärer Bachlauf durch das Tal nicht mehr möglich ist, soll die Linspher künftig durch den Teich hindurchgeleitet werden. Zwischen dem Silbersee und der Oberlinspher Mühle verläuft die Linspher im Naturschutzgebiet: Denn sie ist einer der besterhaltenen Mittelgebirgsbäche im Land, betonte Bromskirchens Bürgermeister Karl-Friedrich Frese. „Wir wollen die Naturschutzgebietverordnung mit mehr Leben füllen“, erläuterte er die Bemühungen um die Renaturierung des Bachlaufs. Deshalb wurden bereits Fichten vom Ufer entfernt und Totholz am Bachlauf „eingebaut“. Die Planungen für die Renaturierungen laufen bereits seit 2006. Am Mittwoch stellte Diplom-Ingenieur Axel Sobirey vom beauftragten Planungsbüro aus Kassel die verschiedenen Projekte um den Silbersee vor. Geplant sind unter anderem einige sogenannte „Raue Gleiten“ für Fische. Dabei wird das Bachbett, in dem sich Stufen befinden, mit groben Steinen und Kies aufgefüllt. So sollen auch weniger schwimmstarke Fischen wie die Mühlkoppe gegen den Strom ankommen und die Linspher wieder durchwandern können. Durch die Renaturierung soll die Trockenlegung der Flächen rund um den Bach wieder rückgängig gemacht werden. Der Bach soll kleine Nebenarme erhalten. Durch die Vernässung der Fläche entstehen Biotope, die besonders Amphibien einen Lebensraum bieten. Der dafür ausgehobene Boden – etwa 1800 Kubikmeter – soll an den Ufern des Silbersees aufgeschüttet werden, um Flachwasserzonen mit Schilfgürteln zu schaffen, die positive Auswirkungen auf die Wasserqualität haben und ebenfalls Molchen und anderen Tieren sowie Insekten einen Lebensraum bieten würden. „Die Verbesserung der Wasserqualität des Silbersees ist nicht der Hauptgrund, um die Linspher durchzuleiten“, betonte Frese. Allerdings sei dieser positive Nebeneffekt durchaus wünschenswert. Derzeit ist der Silbersee von zahlreichen Algen durchzogen. „Das ist ein schönes Vorhaben“, lobte Silke Lautenschläger die Pläne der Gemeinde. Es bestünden „gute Aussichten, dass der Förderbescheid in den nächsten Wochen herausgeht“. Der mittlere Teil des 18,2 Kilometer langen Baches wird ebenfalls renaturiert. Die Kosten dafür wird das Sägewerk Ante-Holz tragen: Es handelt sich um die Ausgleichsmaßnahme für die geplante Abbiegerspur auf der Landesstraße 3073, die für die Zu- und Ausfahrt zum Holzwerk gebaut wird. Noch in diesem Jahr soll mit der Umsetzung des Renaturierungsprojektes auf den 600 Metern zwischen dem Silbersee und der Oberlinspher Mühle begonnen werden. Denn im Winter macht der Silbersee einige Probleme: Der sogenannte „Mönch“ – der Ablauf des Teiches – ist defekt, sodass der Silbersee im Winter überzulaufen droht. Deshalb soll möglichst noch in diesem Jahr mit der Renaturierung begonnen werden. Beim anschließenden Gespräch mit interessierten Bromskirchenern, darunter Parlamentschef Karl-Friedrich Geldbach, Erster Beigeordneter Uwe Treude, sowie Vertretern des Landkreises Waldeck-Frankenberg betonte die Ministerin, ihr Ziel sei es, Hessen als waldreichstes deutsches Bundesland bekannter zu machen. Hessen werde immer nur mit Banken und dem Flughafen assoziiert.

Kommentare