Karl-Heinz Hartmann aus Schreufa bereitet ein Buch über Helius Eobanus Hessus vor

Zum Leben und Werk des Dichterkönigs

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Eine Gedenktafel im Innenhof der „Engelsburg“ erinnert in Erfurt an den aus dem Frankenberger Land stammenden Dichterkönig Hessus. Karl-Heinz Hartmann (rechts) ging seinen Spuren dort gemeinsam mit Ralf-Dieter May, dem Vorsitzenden des Fördervereins Engelsburg, nach.Fotos: vk

Frankenberg - „Helius Eobanus Hessus - Dichterkönig, Haupt des Erfurter Humanistenkreises und Sohn des Frankenberger Landes“ ist der Titel eines neuen Buches, mit dem der Schreufaer Karl-Heinz Hartmann Leben und Werk eines herausragenden Humanisten und Dichters in neulateinischer Sprache würdigt.

Auch wenn der Student sich im Erfurter Matrikelbuch als „Eobanus coci Francobergius“ bezeichnete - geboren ist Eoban Koch vor 525 Jahren vermutlich zwischen Halgehausen und Bockendorf, doch in Frankenberg besuchte er die Lateinschule. Karl-Heinz Hartmann aus Schreufa, früherer Schulleiter der Friedrich-Trost-Schule und Literaturfreund, hat jetzt dem „König der Poeten“, bedeutenden Humanisten und Luther-Zeitgenossen Helius Eobanus Hessus eine Biografie gewidmet, die vom Geschichtsverein als Frankenberger Heft Nummer zwölf herausgegeben wird und jetzt reich bebildert in den Druck ging.

Gerade weil im 20. Jahrhundert die Bedeutung dieses Universitätslehrers und neulateinischen Dichters in seiner Heimat im Frankenberger Land völlig aus dem Bewusstsein der Menschen zu verschwinden drohte, begann Karl-Heinz Hartmann zu forschen. Einige seiner interessantesten Ergebnisse, die Schilderung des Besuchs von Hessus bei Erasmus von Rotterdam und die Entdeckung eines seltenen Hessus-Briefes in deutscher Sprache, teilte er bereits den Lesern der Frankenberger Zeitung in der Beilage „Unser Frankenberger Land“ mit. Hartmann merkte bei seiner Beschäftigung mit dem Thema, dass nicht nur die Humanisten damals, sondern auch Wissenschaftler heute die Arbeit des Eobanus Hessus sehr hoch einschätzen.

„Sein Zeitgenosse Ulrich von Hutten nannte ihn bereits den größten lebenden Dichter Deutschlands“, berichtet der Forscher und verweist darauf, dass inzwischen in Amerika das gesamte dichterische Hessus-Werk von Professor Harry Vredeveld gewürdigt und in lateinischen Originalausgaben ins Internet gestellt worden sei. Sein Frankenberger Heft wird deshalb auch die wichtigsten Literaturangaben zur Rezeptionsgeschichte des Dichterkönigs Hessus enthalten.

Auf Anregung von Heinz Brandt (1912-1996), der als Lehrer in Halgehausen und später als Vorsitzender des Frankenberger Geschichtsvereins das Leben von Helius Eobanus Hessus erforschte, wurde am 3. Juli 1993 in Halgehausen ein Gedenkstein errichtet. Ihre eigenen Formen des Gedenkens entwickelte die Thüringer Universitätsstadt Erfurt als Wirkungsstätte des aus Hessen stammenden Poeten. „Intensiv ging man auch in Erfurt, wo viele junge Frankenberger im 16. Jahrhundert studierten und von wo aus in Pestzeiten Studenten mit ihrem Professor Hessus sogar nach Frankenberg umzogen, der kulturgeschichtlich wichtigen Zeit des Humanismus und der Bedeutung des Dichterkönigs nach“, berichtet Hartmann. „In Erfurt wurde die ‚Engelsburg’, wo Hessus wohnte und sich mit namhaften Humanisten traf, mustergültig restauriert. Diesem Kreis entsprangen auch die satirisch-humanistischen ‚Dunkelmännerbriefe‘.“

Hartmann suchte ebenfalls vor Ort nach Spuren des Eobanus Hessus und stellte dabei Kontakte zum Förderverein Humanistenstätte Engelsburg her. Dessen Vorsitzender Ralf-Dieter May führte kürzlich die Mitglieder des Frankenberger Geschichtsvereins bei einer Exkursion durch die Altstadt von Erfurt zum Gebäudekomplex Engelsburg, der heute als Studentenzentrum wieder von Leben erfüllt ist und wo auch eine Gedenktafel im Innenhof sowie das Wappen an der Bohlenstube an Eobanus Hessus erinnern (FZ berichtete).

In seinem Buch über den großen Sohn aus Halgehausen geht Karl-Heinz Hartmann den verschiedenen Lebensstationen des Dichterkönigs nach: seinen Aufenthalten als Professor in Erfurt, als Poet am Hof des Bischofs von Pomesanien in Riesenburg, als Lehrer und Dürer-Freund in Nürnberg, als Rektor an der Universität Marburg und Freund Philipps des Großmütigen. „Als erster neuzeitlicher Dichter hat Hessus eine lateinische Versübersetzung der gesamten homerischen ‚Ilias‘ verfasst“, so der Autor. Hessus übersetzte außerdem mit großem Talent die Psalmen, schrieb allegorische Hirtengedichte, den christlichen Heldinnenbrief, verfasste Loblieder und Gelegenheitsgedichte.(vk)

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