Frankenberg

Lehrer über Amokläufer informiert

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- Frankenberg (mba). Einen potentiellen Amokläufer vor der Tat zu identifizieren, ist nur schwer möglich. Dennoch gibt es oft deutliche Signale, berichtete die Gießener Kriminologin den Lehrern der Edertalschule in Frankenberg.

„Amoklauf“ ist ein Begriff, mit dem sich seit den tragischen Ereignissen an den Schulen in Erfurt und Winnenden viele Lehrer an deutschen Schulen zumindest theoretisch beschäftigen: Was können sie tun, wie können sie Gefahren entdecken? Was ist vernünftige Vorbeugung, was Hysterie? Mitunter rücken solche Überlegungen durch Vorfälle in den Klassenräumen oder auf den Schulhöfen plötzlich in das Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit, wie etwa im März 2009, als eine anonyme Drohung an einer Tafel die Schüler und Lehrer der Frankenberger Burgwaldschule erschreckte und die Polizei auf den Plan rief. Einen ähnlichen Fall, der sich als übler Scherz herausstellte, gab es auch schon an der Edertalschule, berichtet Schulleiter Winfried Deichsel.

Um die Lehrer auf den Umgang mit solchen Situationen vorzubereiten, hatte der Pädagogische Tag der Edertalschule das Thema „Krisenintervention und Prävention als Aufgabe der Schule“. Winfried Deichsel begrüßte als Referentin eine Expertin in der Kulturhalle: Professor Dr. Britta Bannenberg von der Universität Gießen, die als eine der führenden deutschen Kriminologinnen gilt. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist Gewaltkriminalität, insbesondere Amokläufe an Schulen.

„Amoklauf – da hat jeder etwas im Kopf, was das sein mag: Da kommt einer in die Schule und tötet“, stieg die Kriminologin in ihren Vortrag ein. Für die Wissenschaft sei das Phänomen ungleich schwerer zu fassen. Amokläufe seien sehr seltene Phänomene: Es gibt laut Bannenberg in Deutschland im Durchschnitt jährlich etwa einen Fall mit einem jungen Täter. Das führe mitunter zu der Einstellung: „An unserer Schule wird das nicht passieren.“ Diese Haltung könne dazu führen, dass warnende Signale nicht bemerkt werden. Andererseits sei es auch nicht richtig, in Hysterie auszubrechen, wenn ein Schüler mal eine impulsive Bemerkung macht. Obwohl Amokläufe so selten vorkommen, würden sie Angst und Schrecken verbreiten, sagte Bannenberg. „Viele Schulen sind verunsichert und bereiten sich auf so einen Fall vor.“ Bei ihrer Forschung hat die Kriminologin versucht, Charakterististisches über die Täter herauszufinden. Das sei besonders schwierig, da viele Täter anschließend tot seien. Die Kriminologen sprechen mit Verwandten, Freunden und Bekannten, um etwas über die Persönlichkeit des Amokläufers herauszufinden. Zumeist hinterlassen diese umfangreiche Botschaften, Hass-Pamphlete im Internet oder Bekenntnisse und Selbstbeschreibungen, etwa in Tagebüchern.

Es sei ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren, sagt die Kriminologin zur Frage nach Auffälligkeiten, die es ermöglichen könnten, einen potentiellen Amokläufer zu erkennen. Es seien überwiegend junge Männer im Alter von 14 bis 25 Jahren, wie auch schwere Gewalt generell ein männliches Phänomen sei. Die Täter würden aber nicht in das typische Profil eines Gewalttäters passen, da sie in der Regel nach außen unauffällig sind und nicht aggressiv und gewalttätig auftreten. „Deshalb geraten sie aus dem Blick“, sagt Bannenberg.

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