Nach den Sommerferien beginnen in Allendorf zwei Kurse für Scheidungskinder

Leiden unter der Trennung

Wollen Kindern helfen, die von Trennung und Scheidung betroffen sind: (sitzend von links) Agnes Protz (Diakonisches Werk Biedenkopf-Gladenbach), Timo Hofmann (angehender Sozialarbeiter, Dodenau) sowie Ute von der Heiden (Erzieherin und Familiencoach in der Kita Allendorf-Eder), dahinter Pfarrer Gerald Rohrmann. Foto:  Hoffmeister

Allendorf-Eder. Um Kinder, die von Trennung und Scheidung der Eltern betroffen sind, will man sich in Allendorf ganz besonders kümmern. Nach den Sommerferien beginnen in der evangelischen Kindertagesstätte zwei Kurse: zum einen für Vorschulkinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren, zum anderen für Grundschüler im Alter zwischen sieben und elf Jahren. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

2,3 Millionen Kinder sind bundesweit von Trennung und Scheidung ihrer Eltern betroffen. Nach einer Umfrage vom Herbst 2010 gilt das für 21 Prozent der Jungen und Mädchen in der evangelischen Kindertagesstätte Allendorf – also jedes fünfte Kind.

„Die meisten Kinder erleben die Trennung, wenn sie zwischen drei und 13 Jahren alt sind, also in einem ganz sensiblen Alter. Sie erleben gestresste Eltern, suchen oft die Schuld bei sich und wünschen sich, dass die Eltern wieder zusammenfinden“, erklärt Sozialpädagogin Agnes Protz vom Diakonischen Werk Biedenkopf-Gladenbach.

Altersgerecht wollen drei Fachkräfte – neben Agnes Protz sind das die Allendorfer Erzieherin Ute von der Heiden und der angehende Sozialarbeiter Timo Hofmann aus Dodenau – mit den Kindern ins Gespräch kommen. Gefühlskärtchen, Rollenspiele, gemeinsame Unternehmungen und ein Kummerkasten sollen dabei helfen, Zum Kursangebot gehören auch zwei Elternabende.

Trennungskinder im Vor- oder Grundschulalter könne man über Angebote in kleinen Gruppen gut erreichen, weiß Sozialpädagogin Protz aus Erfahrung. „Die Kinder erleben: Ich bin nicht allein mit meinen Sorgen“, sagt Protz.

„Es hat sehr viel Mühe gemacht, das alles erstmal ins Rollen zu bringen“, berichtet Ute von der Heiden, die neben ihrer Tätigkeit als Erzieherin auch Familientrainerin ist. Sie ist froh darüber, dass inzwischen die Finanzierung gesichert ist: Die Kosten einer Gruppe übernimmt komplett die Gemeinde Allendorf im Rahmen des Bündnisses für Familie.

Die zweite Gruppe finanziert sich durch Spenden der Sparkasse Battenberg, der Frankenberger Bank und des Hessischen Sozialministeriums. Für Verpflegung und Gruppenmaterial wird pro Kind eine Eigenbeteiligung von 25 Euro erhoben.

Fachleute wissen: Die Folgen eines Trennungserlebnisses treten oft erst dann zu Tage, wenn Scheidungskinder später selbst eine Familie gründen wollen.

Erfreut über das neue Angebot hat sich der Allendorfer Pfarrer Gerald Rohrmann geäußert: „Eigentlich müsste es so etwas überall geben.“ (off)

Quelle: HNA

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