Untere Lengel: Umweltministerium rät von Flurneuordnung ab

Schlängelt sich durch die Natur: Der Lengelbach in Frankenau. Von einer Renaturierung und Flurneuordnung im Lengeltal im Bereich der Mühlen rät das Umweltministerium ab. Foto: Daum

Frankenau. Eine flächendeckende Renaturierung und Flurneuordnung sind im Unterlauf der Lengel und im Mühlental nicht nötig. Das hat eine Anfrage der HNA ans hessische Umweltministerium ergeben.

Das Ministerium prüft gerade, ob im gesamten Lengelgebiet von Haubern über Frankenau bis zur Mündung in die Eder eine Renaturierung und Flurneuordnung notwendig ist. Erste Einschätzungen liegen nun vor, und sie betreffen den Unterlauf der Lengel und das Mühlental in Frankenau.

Der Abteilungsleiter im Umweltministerium, Wenzel Mayer, hatte seine Einschätzung schon im Frühjahr dieses Jahres in einem Abstimmungsgespräch geäußert, bei dem neben Frankenaus Bürgermeister Björn Brede (SPD) auch Fachvertreter sowie Christiane Kohl von der Interessengemeinschaft (IG) Lengeltal anwesend waren.

Die IG, ein Zusammenschluss aus Grundstückseigentümern im Lengeltal, kämpft gegen eine umfangreiche Renaturierung und Flurneuordnung im Lengeltal (HNA berichtete).

Die Gewässerstruktur im Lengelbach, darauf hatte Mayer damals hingewiesen, sei vor allem im Unterlauf, wo ein Naturschutzgebiet Bach und Aue umgebe, ausgezeichnet. Im Bereich des Mühlentals besteht nach seiner Einschätzung daher kein Bedarf an einer flächendeckenden Renaturierung. Es sollten lediglich Teilabschnitte hinsichtlich Durchgängigkeit und Beschattung verbessert werden.

Was Mayer meint, hat jetzt das Umweltministerium verdeutlicht: „Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit ist nötig, damit Fische und Krebse uneingeschränkt den Bach durchwandern können. Hierfür müssen Wanderhindernisse beseitigt werden. Wenn das nicht möglich ist, kann im Uferbereich auch ein so genanntes Umgehungsgerinne angelegt werden“, heißt es aus dem Ministerium. Hierfür würden zwar Uferflächen benötigt. Diese würden aber ausreichen, um die Durchgängigkeit zu verbessern. Eine flächendeckende Renaturierung, wonach der Lengelbach im Mühlenbereich in seinen ursprünglichen Lauf zurückgeführt werde und bei der größere Flächen benötigt würden, sei für die Verbesserung der Durchgängigkeit nicht nötig.

Mayer hatte auch betont, dass ein Flurbereinigungsverfahren im Mühlental nicht nötig sei. „Da es dort in erheblichem Maße eine Fehlnutzung der Gewässerparzelle gibt, sind genug Flächen am Gewässer vorhanden, auf denen Beschattungen durchgeführt werden könnten“, sagte er damals.

Gegenüber der HNA wird das Umweltministerium nun konkreter: „Die Gewässerparzelle ist eine Fläche, die allein dem Gewässer zur eigendynamischen Entwicklung zur Verfügung steht. Im Gelände ist sie in der Regel nicht ausgewiesen und wird oft von Anliegern mitgenutzt.“ Diese Flächen könnten jetzt zur Beschattung genutzt werden, ohne dass eine Flurneuordnung nötig wäre.

Das Ministerium teilt weiter mit: „Die Beschattung verhindert, dass sich das Gewässer zu stark erwärmt und beugt Algenvermehrungen vor. Natürlicherweise stehen an den Bachläufen Bäume, die für Beschattung sorgen. Zur weiteren Beschattung kann man Bäume auf den besonnten Uferrandstreifen pflanzen.“ Mehr Flächen würden aber nicht gebraucht, so dass ein Flurbereinigungsverfahren nicht nötig sei.

Von Philipp Daum

Was die Bürgermeister Rüdiger Heß (Frankenberg) und Björn Brede (Frankenau) zu den Äußerungen des Umweltministeriums sagen, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

Kommentare