Lengelmühle in Ellershausen ist schon lange in Familienbesitz

Blick zurück: Vor mehr als 50 Jahren gab es noch das Mühlrad an der Lengelmühle (oberes Bild). Gleich drei Generationen stehen heute vor dem alten Backhaus (von rechts) Heinrich, Lothar und Johannes Battefeld. Der jüngste Spross ist genannt nach dem ersten Battefeld in der Lengelmühle. Fotos: nh

Im kommenden Jahr feiert Ellershausen 1000-jähriges Bestehen. Fast so lange, nämlich seit etwa 900 Jahren, ist die zum Dorf gehörende Lengelmühle im Familienbesitz.

Unsere Zeitung wirft einen Blick auf die Historie dieses beeindruckenden Gebäudes.

Ein Mühlrad dreht sich an der Lengelmühle in Ellershausen zwar nicht mehr - dieses wurde 1971 abgebaut, nachdem Heinrich Battefeld, der Vater des heutigen Besitzers Lothar Battefeld, den Mühlenbetrieb 1964 eingestellt hatte. Dennoch ist das Fachwerkhaus, das sich seit fast 900 Jahren in Familienbesitz befindet und in dem mittlerweile eine Jausenstation für Wanderer und andere Gäste untergebracht ist, ein historisch besonderes Gebäude.

Das heutige Wohnhaus dürfte aus dem 16. Jahrhundert stammen. Als im vergangenen Jahrhundert das Dach saniert wurde, fanden sich zwei Ziegel mit den Jahreszahlen 1556 und 1594.

Tatsächlich könnte eine der Jahreszahlen dem Zeitpunkt es Baues entsprechen. Die Ständerbauweise, in der das Haus damals erbaut wurde, ist zwar schon früher - zum Beispiel beim Bau des Frankenberger Rathauses 1509 - durch die Rähmbauweise (Stockwerk für Stockwerk) abgelöst worden - aber der frühere Landeskonservator Dr. Michael Neumann meinte, dass einige Zimmerleute auch später noch die Ständerbauweise ausgeführt hätten. 1818 wurde ein Keller an das Wohnhaus angebaut, 1835 das heute noch erhaltene und noch funktionstüchtige Backhaus errichtet.

Doch lange vor den heutigen Gebäuden wird es andere gegeben haben. Denn bereits vor etwa 1000 Jahren muss die Lengelmühle bestanden haben. In Urkunden des Klosters Haina ist erwähnt, dass „bald nach 1150 der Graf Poppo von Reichenbach die Mühle dem Kloster geschenkt“ hat. Das heißt, dass die Mühle schon vor dieser Zeit bestanden haben muss. Längere Zeit wurde auch eine Schlagmühle betrieben, von der heute noch eine Vertiefung zeugt. Erwähnt wurde mehrfach die Entrichtung von Schlagzins. In Katasterangaben von 1774 ist aber nur noch von einer Mahlmühle die Rede.

Lückenlos dokumentiert

Jahrhunderte zurück reicht auch die Familienchronik der Besitzer. Sie beginnt 1264 und enthält die Namen „Huhn“, „Drach“, „Dersch“ und Battefeld. Alle Besitzer sind lückenlos belegt. Um die Dokumentation der „Erbblutfolge der Besitzer“, wie er sie genannt hat, hat sich Willi Battefeld verdient gemacht. Er war ein Sohn des ersten Battefelds auf der Mühle mit Vornamen Johannes. Seine Stellung als Kirchenregierungsrat in Eisenach ließ ihm die Zeit und öffnete ihm die Türen zu Archiven, um in 20-jähriger Arbeit eine bemerkenswerte Familienchronik zu verfassen. Eine kaligrafische Darstellung davon überreichte er der Familie zu Johannes‘ 100. Geburtstag.

Viel Geld investiert

Die letzten Jahrzehnte waren für die Battefelds nicht einfach: Die zwölf Hektar Weideland reichten nicht aus, um zwei Söhne studieren zu lassen. Lothar Battefeld ist seinem Vater sehr dankbar, dass er die Dauerbelastung von Schichtdienst-Arbeit auf sich genommen und zusätzlich noch die komplette Landwirtschaft geführt hat. Er selbst hat einige Flächen verpachtet. „Aber ich bin immer noch Bauer“, sagt er. Er verdient sein Geld bei der Firma Viessmann, hat jetzt aber vom Ersparten eine Menge in die Hand genommen, um die Gebäude in Stand zu setzen, und als Zukunftssicherung für seine Kinder richtete eine Jausenstation ein, in der Wanderer einkehren können. (nh/dau)

Quelle: HNA

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