Bottendorf

Mit Lerchengesang ging es die Grenze entlang

- Burgwald-Bottendorf (mba). Die Bottendorfer schauten am Samstag entlang der Gemarkungsgrenzen nach dem Rechten. In zwei Gruppen umrundeten sie ihr Dorf und trafen sich alle an der Linnermühle.

„Petrus muss ein Bottendorfer sein“, vermutete Erich Reitz, einer der vier Wanderführer, die die Bottendorfer durch die Feldmark leiteten, ob des herrlichen Sonnenscheins am Samstagnachmittag. Und eigentlich müssten die Bottendorfer dafür Vergnügungssteuer zahlen: Bei bestem „Kaiserwetter“ und mit Lerchengesang in der Luft marschierten rund 170 Wanderfreunde von den „Drei dicken Bäumen“ hinter dem südlichen Ortsausgang in zwei Gruppen rund ums Dorf zur Linnermühle, wo sie von der „Mühlen-Familie“ Pohlmann mit einem Glas frischer Kuhmiclh empfangen wurden. Zum Auftakt wurde „Das Wandern ist des Müllers Lust“ gesungen, Jürgen Röse spielte dazu auf dem Schifferklavier. Bürgermeister Lothar Koch begrüßte die Grenzgänger und Landrat Dr. Reinhard Kubat, der ein Stück des Weges mitging, empfahl: „Freuen Sie sich an diesem schönen Wochenende.“ Das fiel wahrlich nicht schwer. Bevor der Zug sich in Bewegung setzte, ließen Klaus Bosshammer und Willi Mandel einige Brieftauben aufsteigen, die zweifellos zuerst wieder zuhause waren: Der Grenzgang am Boden dauerte rund vier Stunden. Unterwegs gab es – neben angeregten Gesprächen der Wanderer – einige kurze Vorträge über Bottendorf und den Burgwald, die Wüstung Forstkirche und die Burgwald-Kaserne. Hauptmann Axel Schröder erwartete die Grenzgänger in Sichtweite der Kaserne und berichtete von den Aufgaben des EloKa-Bataillons. Arno Süßmann vom Burgwalder Forstamt informierte die Teilnehmer über den Biotopverbund Burgwald und was der Wind dort in jüngster Zeit angerichtet hat. Am Rastplatz „Forstkirche“ gab Historiker Dr. Ulrich Stöhr ihnen Einblicke in die Geschichte der Wüstung. Die Ortsvorsteher der Nachbarorte begrüßten die Gruppe an den gemeinsamen Grenzen: Otfried Vaupel aus Rosenthal und Hermann Zölzer aus Willershausen auf der südlichen Route, Heinrich Rampe aus Röddenau, Willi Hildebrandt aus Willersdorf und Frankenbergs Bürgermeister Christian Engelhardt auf dem nördlichen Abschnitt. Röddenaus Ortsvorsteher Heinrich Rampe lobte die gute Freundschaft der beiden Orte, die unter anderem darin zum Ausdruck käme, dass es viele wechselseitige Hochzeiten gäbe: „Ich hoffe, dass das so bleibt.“ Auch er hob hervor, was für ein schönes Wetter sich die Grenzgänger ausgesucht hätten: „Und wer schwitzt, kann sich ja ausziehen“, schlug er vor, worauf die Wanderer lachend entgegneten: „Das hättest Du wohl gerne.“ Der Grenzgang verlief ohne Zwischenfälle – zumindest für die Wandergesellschaft. Große Aufregung entstand allerdings bei einer Schafherde am Wegesrand und dessen Besitzer. Offenbar beschlossen die Tiere spontan, sich dem Zug anzuschließen und auch der völlig überforderte Hütehund konnte sie nicht umstimmen – der Herdentrieb war stärker. Einige Wanderer mussten dem armen Hund zur Hilfe eilen, um die Schafe von der nahen Straße wegzutreiben. Schließlich gelang es aber, die aufgebrachten Schafe zur Räson zu bringen. Der Hund trieb sie zum Besitzer zurück, die Grenzgänger setzten ihren Marsch ohne die Huftiere fort. Beide Strecken waren jeweils neun Kilometer lang. Auf dem letzten Stück des Weges trafen beide Gruppen wieder zusammen und gingen gemeinsam zu Mühle, wo der schöne Frühlingstag mit einem Unterhaltungsprogramm ausklang.

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