Frankenberg

Lesung: Bittner stellt neues Buch vor

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- Frankenberg (sr). Der gebürtige Frankenberger Jochen Bittner hat sein neues Buch „So nicht, Europa“ bei einer Lesung in Frankenberg vorgestellt. Kritik an der Europäischen Union sei erforderlich, um sie voranzubringen, findet der Redakteur der Wochenzeitung "Die Zeit".

Was haben das Verbot der Glühbirne und die Zwangseinführung der umstrittenen biometrischen Daten in Reisepässen gemeinsam? Mit beiden Vorhaben sind deutsche Minister im Bundestag gescheitert: Sigmar Gabriel und Otto Schily. Und beide wählten erfolgreich einen „Umweg“, um doch zum Ziel zu kommen: die Europäische Union. Mit ihren Richtlinien beschert sie jetzt allen EU-Bürgern Errungenschaften, die zuvor ein nationales Parlament abgelehnt hatten. Was geschieht im Moloch Brüssel mit seinen 35 000 Eurokraten, den Parlamentsabgeordneten, Diplomaten, Landesvertretern und den Zehntausenden Lobbyisten, die um Einfluss rangeln?

Jochen Bittner hat das Treiben fast vier Jahre lang als Korrespondent der renommierten Wochenzeitung „Die Zeit“ beobachtet und eine „Unwucht“ im Politikgetriebe ausgemacht. Ein kritisches Fazit zieht er in seinem neuen, vierten Buch mit dem provokanten Titel „So nicht, Europa!“ Am Freitagabend stellte der ehemalige freie Mitarbeiter der Frankenberger Zeitung an seinem einstigen Gymnasium seine Thesen vor – die Buchhandlung Jakobi hatte zu der Autorenlesung in die Aula der Edertalschule geladen. Die Moderation übernahm Bittners einstiger „journalistischer Lehrherr“, der frühere FZ-Redaktionsleiter Horst Giebel.

Mit kurzen Lesepassagen, mit Erläuterungen und in der lebhaften Diskussion mit dem Publikum begründete Bittner die drei Kernthesen seines Buches: „Die EU regelt Kleines zu groß und Großes zu klein, die EU regelt Weiches zu hart und Hartes zu weich, die EU bewegt sich oben zu schnell und unten zu langsam.“ Aber darf er den europäischen Einigungsprozess so einfach kritisieren? Bittner weiß: Gerade Ältere verwiesen gern auf das Friedensprojekt der europäischen Union, entstanden als Lehre aus zwei Weltkriegen. Dazu bekennt sich auch Bittner. „Aber die Zeiten haben sich geändert“, findet er. Kritik an der EU gefährde nicht den Frieden, eine neue Generation sei herangewachsen: „Ich bin Skeptiker, weil ich Europäer bin“, erklärte der Journalist und folgerte: „Die EU ist reif, um kritisiert zu werden.“ Und das tue er im Buch: „Ich möchte provozieren und die breite Masse erreichen.“

Mehr lesen Sie in der FZ vom Dienstag, 22. Februar

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