Grabdenkmale und Inschriften berichten von Totenbestattungen auf dem Kirchhof

Letzte Ruhe am heiligen Ort

Anna Catrin Wiesemann: Ein Loblied auf sie und ihren „reinen Lebenslauf“ singt ein langes Gedicht auf dieser Grabplatte aus dem Jahr 1706. Sie wurde „acht Schuh“, also etwa 2,40 Meter, entfernt von dem Denkmal auf dem Kirchhof beigesetzt.

Frankenberg. Bis in die frühe Neuzeit gehörte zu den religiösen Sehnsüchten der Menschen auch in Frankenberg, nach dem Tod möglichst in oder an der Kirche, nahe dem Heiligtum, dem Altar oder der Kanzel bestattet zu werden.

Die Liebfrauenkirche selbst und der Kirchhof dienten als Begräbnisort, wobei das Kircheninnere bevorzugt Pfarrern oder besonders herausgehobenen Bürgern als letzte Ruhestätte gewährt wurde. Caspar Tholde, langjähriger Pfarrer und Reformationsprediger, wurde vermutlich 1582 noch hier beigesetzt, wie sein eindrucksvoller Figurengrabstein beweist.

An der Nordseite

Eine Reihe von Inschriften und Epitaphien (Grabdenkmale) am Äußeren der Liebfrauenkirche künden von Beisetzungen auf dem Kirchhof, wobei an der Nordseite am Eingang zum Heizungsraum die wohl älteste berichtet: Volpertus Wikardi, „Rector Scolae“, der Rektor der Lateinschule, starb 1363 am Matthiastag.

„Hier ruhe ich, bis ich bei der Posaune des Erzengels endlich auferstehen werde. Lebe wohl!“ ließ man 1517 an der Marienkapelle für den Leutpriester Heinemann Scheele einmeißeln, direkt unter der Grabinschrift für Johann von Cassel, der auch Geld für den Bau der Kapelle gespendet, sich damit nach katholischer Überzeugung entsprechende Fürbitte der Jungfrau Maria erworben und nun auch hier sein Grab gefunden hatte.

Die lateinische Inschrift, die die Stifter der Marienkapelle mit dem Gnadenbild verbanden, macht ihre Hoffnungen auf Marias und Jesu Mithilfe für ihr Seelenheil deutlich: „Bitte für die Armen mit einem frommen Gebet, Jungfrau Maria. Hier wirst du durch uns gelobt. Sohn, beschütze diese Diener, Vater, bewahre diese Orte, wo meine Mutter gepriesen wird.“

Der eng eingefriedete Kirchhof und hohe Sterblichkeitsraten ließen im ausgehenden Mittelalter keine langen Ruhezeiten zu (10 bis 15 Jahre). Deshalb wurden meistens nur Holzkreuze aufgestellt, und wer sich einen gusseisernen Epitaph an der Kirchenwand leisten konnte, war privilegiert. Eine besonders schöne Denkmalplatte mit reicher Textausstattung an der Liebfrauenkirche hilft sogar, den konkreten Grabplatz der Verstorbenen zu lokalisieren: „Acht Schuh weit von dieser Stätte / Ruht ein christliche Matrone / Welche weilen sie gewann, / Nun prangt in der Himmelskrone / Anna Katrin Wiesemann.“

Obwohl schon 1500 in Frankenberg ein weiterer Friedhof außerhalb der Stadtmauern zwischen dem Linnertor und dem Hexenturm angelegt wurde, diente der Kirchhof weiterhin als Begräbnisstätte. Noch während des Siebenjährigen Krieges fanden hier Beerdigungen statt, 200 vermutlich an einer Epidemie gestorbene Soldaten setzte man dort 1759 in einem Massengrab bei. Beim Ausheben von Schützengräben auf dem Kirchhof mussten Leichen umgebettet werden, so am 25.12.1761 die Überreste des um 1740 verstorbenen des Pfarrers Klenk und seiner Frau.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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