Lieblingssänger gibt für Frau im Rollstuhl Konzert im Wohnzimmer

Inmitten ihrer Freunde: Mareike Otterbach (rotes Oberteil) hat von Musiker Sebastian Niklaus (links dahinter) ein privates Wohnzimmerkonzert in Reddighausen bekommen. Dazu hatte sie 17 Freunde eingeladen. Foto:  nh

Reddighausen. Dass ein Sänger im Wohnzimmer eines Fans ein privates Konzert gibt, erleben wohl nur die wenigsten. Für Mareike Otterbach ist „dieser Traum wahr geworden“.

Der Sänger und Songwriter Sebastian Niklaus aus Karlsruhe ist bei der 31-Jährigen in Reddighausen aufgetreten.

Mareike Otterbach sitzt im Rollstuhl. Sie ist mit 16 Jahren an der chronischen juvenilen Dermatomyositis erkrankt, einer Rheumaerkrankung mit Haut- und Muskelentzündungen.

„Ich bin immer noch geflasht“, sagt sie ein paar Tage nach diesem besonderen Abend in ihrem Wohnzimmer. „Es war ein aufregender und wundervoller Abend - sowohl für mich als auch für meine Gäste. Sebastian sang etwas mehr als eine Stunde“, schwärmt die junge Frau, die eine besondere Beziehung zu dem 32-jährigen Sänger aus Karlsruhe hat.

Die beiden lernten sich im Oktober 2014 bei einem Konzert von „Staubkind“ kennen - neben „Unheilig“ („Geboren, um zu leben“) eine Lieblingsband von Mareike Otterbach. Sebastian Niklaus war damals gemeinsam mit „Staubkind“ auf Tournee. Sie hatte ihm vorher auf Facebook geschrieben, weil ihr sein Lied „In mir“ so gefiel. Bei dem Konzert in Frankfurt trafen sich die beiden. „Ich fand es so toll, dass er auf mich zukam und keine Berührungsängste wegen meines Rollstuhls hatte.“

Mareike Otterbach sitzt seit zehn Jahren im Rollstuhl. Sie ist mit 16 Jahren an der chronischen juvenilen Dermatomyositis erkrankt. Therapien halfen nicht, seit 2001 kann sie nicht mehr laufen, muss meistens im Bett liegen. „Ich weiß, wie wertvoll das Leben ist“, sagt sie. „Auch wenn mir schon viel Leid widerfahren ist, versuche ich immer, das Beste aus allem zu machen. Ich habe meist ein Lächeln im Gesicht. Diese Kraft tanke ich durch meine Konzertbesuche - oder eben nun durch den Besuch von Sebastian. Ich finde es unglaublich, dass ich dies erleben durfte.“

Für Mareike Otterbach ist es wichtig, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Wegen ihrer Muskelschwäche braucht sie im Alltag ständig Hilfe. „Selbstständig bin ich nur in meinem Elektrorollstuhl, den ich mit dem linken Zeigefinger bediene, sowie am PC“, erzählt sie. Den Computer kann sie nur im Bett bedienen - mit Kinn, dem linken Zeigefinger und einer Bildschirmtastatur.

Seitdem sie den Rollstuhl hat, ist sie mobiler, selbstständiger. Es habe sie viele Schmerzen, Anstrengungen und Tränen gekostet, soweit zu kommen, erzählt sie. „Gerne würde ich öfters Ausflüge machen, Konzerte besuchen, um Kraft zu tanken, aber leider habe ich kein behindertengerechtes Fahrzeug“, erzählt die 31-Jährige.

Für jeden Ausflug müsse sie einen Antrag für einen behindertengerechten Kleinbus aus Korbach stellen und dann hoffen, dass dieser frei ist. „Im Umkreis gibt es zum Mieten nur dieses Fahrzeug für Menschen mit Behinderungen.“

Umso mehr freute sie sich, dass Sebastian Niklaus zu ihr nach Hause gekommen ist. „Es berührt mich sehr, dass er den weiten Weg auf sich genommen hat, weil ich es seit Dezember nicht geschafft habe, ein Konzert von ihm zu besuchen.“ Für den Sänger war das selbstverständlich: „Mareike konnte nicht zu mir kommen, dann komme ich also zu ihr“, erklärte Niklaus den Gästen zu Beginn des Privatkonzerts.

17 Freunde von Mareike Otterbach lauschten mit ihr in ihrem Wohnzimmer der Musik des 32-Jährigen. „Sebastian hat Songs, die verbinde ich mit meinem Leben“, sagt sie. „Die Musik hat mir schon so viel Gutes beschert. Mein Tank ist erst einmal wieder gefüllt, mit Kraft und Lebensfreude. Die Musik macht mein Leben so viel bunter.“

Quelle: HNA

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