Kantorei an der Liebfrauenkirche bot erstes Konzert mit Daniel Gárdonyi

Ein Lobgesang von Format

Solisten der Spitzenklasse: Für (von links) Thomas Wiegand (Bass), Wolfgang Tiemann (Tenor), Marie-Pierre Roy (Sopran) und Lidia Curtis (Alt) gab es am Schluss lang anhaltenden Beifall.

Frankenberg. Strahlender, fein abgestimmter Lobgesang einer prächtig vorbereiteten 90-köpfigen Frankenberger Kantorei, durchzogen von brillanten Streicher- und Oboenlinien, in den Arien und Rezitativen Gesangssolisten von ausgeprägtem Format: In der Frankenberger Liebfrauenkirche feierte ihr neuer Kantor Daniel Gárdonyi mit seiner ersten großen Konzertaufführung am Wochenende eine erfolgreiche Premiere.

Zwischen dem Freudenmotiv zum Auftakt von Bachs Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ und dem „Gloria“ am Ende von Vivaldis „Magnificat“ entfaltete sich adventliche Botschaft von berückender Eindringlichkeit.

Der besondere Reiz des Abends, auch hier eine glückliche Entscheidung des jungen Kantors, lag in den Dialogen von großem Chor und individuell sehr ausgeprägten solistischen Einzelleistungen: So stimmten gleich zum Kantatenauftakt die geschmeidigen, ungemein expressiven Oboentöne von Sabine Nobis und Christopher Hilmes auf Bachs Klangwelt ein, die später mit seinem Doppelkonzert für Oboe und Violine noch einmal prachtvoll entfaltet wurde.

Sabine Nobis, Solo-Oboistin des Staatstheaters Kassel, und der ehemalige Frankenberger Matthias Erbe, inzwischen international erfolgreicher Geigenkünstler aus Berlin, meisterten das ursprünglich für zwei Cembali geschriebene Werk mit makelloser Spieltechnik, expressiver Spannkraft und anrührend-lyrischem Zwiegesang im Adagio. Das Publikum applaudierte am Ende des Doppelkonzertes spontan.

Ausgeprägte Eleganz und Interpretationskunst demonstrierten auch die Gesangssolisten: Wolfgang Tiemann (Tenor) und Thomas Wiegand (Bass) meisterten souverän die schwierigen Hürden der Koloratursequenzen in der Kantate, besonders gelungen die Bass-Arie mit dem „kämpferisch-tumulthaften“ Thema.

Wunderbare Dialoge

Marie-Pierre Roy mit ihrem schlanken und weitreichenden Sopran, auch in der Tiefe mit schönem Timbre, verband sich mit Lidia Vinyes Curtis und ihrer ebenso reifen wie ausdrucksstarken Altstimme in wunderbaren Dialogen, beispielsweise im innigen Kantaten-Rezitativ. Daniel Gárdonyi führte „seine“ neu übernommene Kantorei mit sicherem und auf Genauigkeit bedachtem Dirigat der kleinen Bewegungen. Welch kraftvolle, und doch transparente Mehrstimmigkeit dieser Chor entfalten kann, zeigte sich etwa beim „Et misericordia“ des Vivaldi-Magnifikats; wie viel Wert er auf Sprechdisziplin legt, demonstrierte das „Fecit potentiam“.

Die Kantorei verwirklichte Gárdonyis Konzept hochkonzentriert und voll ausgeprägter Homogenität. Das Orchester war in allen Stimmen bestens besetzt, an der Orgel sorgte Beate Kötter für ein zuverlässiges Continuo.

Es gab am Ende für Chöre, Orchester, Solisten und den neuen Kantor und seinen gelungenen Einstand herzlichen Beifall in der fast ausverkauften Liebfrauenkirche, dazu adventlichen Blumendank von Gerda Albrecht im Auftrag des Förderkreises Kirchenmusik.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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