Sprachunterricht und Kleidung

Löhlbacher unterstützen die Asylbewerber

Kleider, Ranzen und Spiele für Flüchtlinge: Gebrauchte Sachen können Asylbewerber in Löhlbach kostenlos in einem für sie eingerichteten Laden an der Bundesstraße erhalten. Die Löhlbacher Helferinnen Lisa und Jutta Ritter (links), Gerda und Petra Idel (rechts) und die Initiatorin Renate Wilhelmi (Mitte) kümmern sich hier um die Familie Talibowic aus Serbien. Fotos: Biedenbach

Löhlbach. Eine Gruppe von Löhlbachern unterstützt die im Ort untergebrachten Flüchtlinge. Sie geben Sprachunterricht und in einem Laden bieten sie kostenlos gebrauchte Kleidung an.

Kaum hat Renate Wilhelmi die Tür des kleinen Kleiderladens an der Bundesstraße in Löhlbach aufgeschlossen, kommt schon Gudrun Rusin aus Battenhausen mit zwei großen Tüten: gebrauchte Kleider und Schuhe - Wintersachen in Kindergröße. Sie sind für die Flüchtlinge bestimmt, die seit September in Löhlbach leben.

Initiatorin der Hilfsaktion ist Renate Wilhelmi. „Schon als ich erfuhr, dass Asylbewerber im ehemaligen Gasthaus Möller untergebracht werden sollen, stand für mich fest, dass ich helfen will“, schildert die 63-Jährige der HNA. Beim Löhlbacher Weinfest Mitte September sah sie die erste Flüchtlingsfamilie mit vier Kindern.

Vom Besuch bei ihren eigenen Enkelkindern hatte sie vorsorglich abgelegte Winterkleidung mitgebracht. Zusammen mit der Löhlbacherin Beate Sohn brachte sie Kleidung und Spielzeug in die Flüchtlingsunterkunft.

„Wir hatten viel zu lernen“, schildert Renate Wilhelmi. „Denn, wer zuerst da war, nahm alles, auch Sachen, die nicht passten. Manches fanden wir dann im Müll wieder“. Da stellte die Löhlbacherin Gerlinde Möller ihren ehemaligen Ladenraum neben dem Bäckerladen Metz kostenlos zur Verfügung. Ruckzuck füllte sich der Raum mit Spenden aus der Bevölkerung: Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Kuscheltiere.

Renate Wilhelmi hat alles in Regalen verstaut und an Kleiderstangen aufgehängt. Unterstützt wird sie von Helfern, auch von zwei Asylbewerberinnen. Viele Kleidungsstücke sind den eher schmalen Flüchtlingen zu groß. Derzeit sind 32 Menschen aus sieben Nationen in Löhlbach untergebracht - zum Beispiel aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Iran und Syrien.

„Die Kleidung, die wir nicht an die Flüchtlinge weitergeben können, bringen wir zum DRK-Kleiderladen nach Frankenberg“, sagt die Löhlbacherin. In der Regel ist der Laden Dienstagnachmittag von 14 bis 17 Uhr geöffnet - die erste Stunde nur für Anlieferer, dann auch für die Asylbewerber. Punkt 15 Uhr kommt eine syrische Familie mit vier Kindern. Ein Mädchen probiert die ausgestellten rosa Winterstiefel aus, ein anderes hat es auf die Plüschtiere abgesehen.

Dann kommt ein 18-Jähriger aus Afghanistan, ein junger Mann mit traurigen Augen. „Er ist ganz alleine hier. Wir wissen nicht, was mit seiner Familie ist“, schildert Renate Wilhelmi. Er findet eine Sporthose, die ihm passt.

Ein Mann Mitte 50 aus dem Iran geht auf Renate Wilhelmi zu. „Ich brauche einen Regenschirm und einen Schal“, sagt er auf Deutsch. Soviel hat er schon gelernt im Deutsch-Unterricht, den Löhlbacherinnen ehrenamtlich erteilen. Von seinem Schicksal im Iran kann er zum Schutz seiner Familie nichts erzählen. (mab)

Wie die freiwilligen Helferinnen den Sprachunterricht gestalten und was der TSV Löhlbach zur Integration unternimmt, das lesen Sie in der gedruckten Donnerstagausgabe der HNA Frankenberger Allgmeine

Quelle: HNA

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