Erinnerungen an Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg

Louisendorfer gehen auf Spurensuche

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Hans-Joachim Adler informierte die Louisendorfer anschaulich über den folgenschweren Flugzeugabsturz in der Nacht zum 25. März 1944.Foto: pr

Frankenau-Louisendorf - Dramatische Szenen haben sich vor 70 Jahren über dem Kellerwald abgespielt. Rund 40 Interessierte aus Louisendorf haben sich zusammen mit Hans-Joachim Adler von der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte im Ederbergland auf eine Spurensuche begeben.

In der Nacht vom 24. zum 25. März 1944 sollten mehr als 800 englische Kampfflugzeuge einen entscheidenden letzten Angriff auf Berlin fliegen. Nach schweren Verlusten über Berlin fielen weitere Bomber der deutschen Nachtflugabwehr auf ihrem Rückflug zum Opfer.

Nachdem eine Halifax über Frankenau Feindkontakt hatte, flog diese brennend weiter in Richtung Geismar, wo sie am „Alten Feld“ Teile ihres Geschützturmes verlor. Der Heckschütze sprang dort aus der Maschine, wurde mit dem Fallschirm abgetrieben und blieb in einer Baumkrone hängen. 14 Tage später fand ihn ein Landwirt dort tot vor.

Die schwer getroffene Maschine drehte zur Täuschung der Verfolger über Hommershausen Richtung Edersee ab, um danach über Schmittlotheim wieder entgegengesetzt in Richtung Burg Hessenstein stark brennend zurückzufliegen.

Nach einem Kilometer zerbrach das Flugzeug in etwa 1000 Metern Höhe über dem Breitenbach, sodass die Trümmer sich über eine Fläche von zwei Quadratkilometern verteilten. Nur der hintere Teil des Rumpfes kam zusammenhängend an einem Berghang zum Liegen, was historische Fotos belegen. Zwei Besatzungsmitglieder überlebten zunächst den Absturz, verstarben jedoch kurz darauf.

Insbesondere durch den ehemaligen Revierförster Horst Premper erfolgten maßgebliche Recherchen, die zur Rekonstruktion beitrugen. Die Toten wurden vorübergehend in einer Feldscheune nahe Louisendorf aufgebahrt - eine Bestattung erfolgte auf dem Gemeindefriedhof. 1946 wurden die sterblichen Überreste exhumiert und später in Hannover auf einem englischen Soldatenfriedhof zur letzten Ruhe gebettet.

Noch verwertbare Teile der Unglücksmaschine wurden geborgen und teilweise verschrottet. Der vierte Motor schlug in den Lauf des Breitenbaches, wo er heute noch als letztes Relikt der Halifax nach etwa 70 Jahren tief im Erdreich verborgen ist.

Während der mehrstündigen Exkursion verstand es Adler, allen Fragen - insbesondere auch denen der jüngeren Teilnehmer - durch das Aufzeigen authentischer Details gerecht zu werden. An einigen heute noch deutlich erkennbaren Aufschlagstellen der schweren Flugzeugteile wurden sogar noch kleine Glas- und Plastikteile als historische Belege vorgefunden.

Die Louisendorfer haben vorgeschlagen, im Herbst mit einem Bildervortrag an den Flugzeugabsturz zu erinnern. Außerdem gibt es Pläne, die zahlreich vorhandenen Exponate an passender Stelle in Louisendorf zu präsentieren. (r)

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