Kinder in Allendorf-Hardtberg feierten alten Frühlingsbrauch mit Bär und Katze

Es machte „Brumm“ und „Mau“

Alter Brauch: Dass Klara Wilke unter dem Maigrün versteckt war, blieb während des Umzugs ein Geheimnis. Gezogen wurde die Siebenjährige, die sich in Bär und Katze verwandelte, von Lena Heinrich und Verena Michel. Foto: Faust

Allendorf-Hardtberg. Mit dem Umzug eines Bären und einer Katze haben die Menschen in Allendorf-Hardtberg den 1. Mai begrüßt. Die Kinder stehen bei diesem Brauch, der jedes Jahr stattfindet, noch heute im Mittelpunkt. Für Ortsfremde ist das Ritual ungewöhnlich.

Ein Kind legt sich in einen Bollerwagen. Darüber werden so viele Äste mit frischen Maigrün drapiert, dass es von niemandem mehr gesehen werden kann. Vorgegeben wird nun, dass sich unter dem Maigrün ein Bär und eine Katze befinden.

Das versteckte Kind muss sich nun mucksmäuschenstill verhalten, wenn die Gruppe von Haus zu Haus zieht, und darf nur auf zwei Fragen, die den Allendörfern bekannt sind, Antwort geben. Zunächst sagen die Bewohner: „Bär brumm einmal“. Tatsächlich antwortet dieser mit einem eindeutigen „Brumm“. Danach wird die Katze angesprochen, die sich ebenfalls unter dem Blattgrün befinden soll. Die Frage lautet nun „Minz, wie siehts in Deutschland aus?“ Nun ist als Antwort ein deutliches „Mau“ zu hören. Zum Abschluss singen die Kinder noch die erste Strophe von „Der Mai ist gekommen“. Und die Allendörfer bedanken sich mit einer Geldspende, bevor die Gruppe weiterzieht.

Ausgerichtet wird der Umzug immer von den Konfirmanden des Ortes, denen sich die jüngeren Kinder anschließen. Im Bollerwagen versteckt war diesmal Klara Wilke, gezogen von Lena Heinrich und Verena Michel. Weil die Fahrt auf den Holzrädern bei einem gut zweistündigen Umzug durchs Dorf beschwerlich wird, wurde Klara nach halber Wegstrecke von Marie Schäfer abgelöst.

Peter Seitz, dessen Enkelin Klara am Sonntag Bär und Katze mimte, erinnert sich an die Umzüge während seiner Jugend in den 50er- Jahren. „Das war damals ganz ähnlich. Nur statt Geld bekamen wir oft Eier. Diese verkauften wir dem Kaufmann im Ort und verteilten das Geld untereinander.“ (fg)

Quelle: HNA

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