Mai-Kundgebung in Frankenberg: Verdi verspürt Gegenwind

Die Akteure der Maikundgebung in Frankenberg: (von links): Eva-Maria Scholze (Musikschule), Landrat Dr. Reinhard Kubat, Gisela Horstmann (Verdi Nordhessen), Manfred Abt (Vorsitzender DGB Waldeck-Frankenberg) und Ali Korkmaz (Türkisch-Islamische Gemeinde). Fotos:  mjx

Frankenberg. „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir": So lautete das kämpferische Motto bei der Mai-Kundgebung am „Tag der Arbeit" vor der Ederberglandhalle in Frankenberg - auf den Tag genau 125 Jahre nach dem Start der Gewerkschaftsbewegung am 1. Mai 1890.

Nach der Begrüßung durch den Kreisvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Manfred Abt, hörten 200 interessierte Zuhörer fünf Redner: Landrat Dr. Reinhard Kubat, Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß, Ali Korkmatz, den Vorsitzenden des Vereins „Türkische Arbeitnehmer“ in Frankenberg, und Dekanin Petra Hegmann.

Hauptrednerin war Verdi-Gewerkschaftssekretärin Gisela Horstmann (Kassel). „Wir bekommen mittlerweile wieder einen massiven politischen Gegenwind“, kritisierte Horstmann: Die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften im Rahmen der Tarifpolitik sei „neoliberalen Scharfmachern“ ein Dorn im Auge, merkte die Verdi-Sprecherin an: „Sie wollen unser grundgesetzlich garantiertes Streikrecht einschränken.“ Horstmann ballte aber die Fäuste: „Das werden wir nicht zulassen, in keinem Fall.“

Auch wenn die GDL vielen Reisenden schon eine Zugfahrt verhagelt habe, müsse das eben ertragen werden - „weil wir solidarisch zusammenstehen“. Die Rechte der Gewerkschaften müssten von allen verteidigt werden.

13 Jahre lang habe Verdi für den Mindestarbeitslohn gekämpft, erinnerte Horstmann: „Wir haben uns duchgesetzt, jetzt ist er endlich da.“ Allerdings sei dieser Strauß schon wieder sanierungsbedüftig: „Wir haben eine Reihe von Ausnahmen. Millionen von Niedriglohnbeziehern bekommen keinen Mindestlohn, auch nicht Jugendliche unter 18 Jahren und Auszubildende.“ Die Begründungen dafür seinen „abenteuerlich“, schimpfte Horstmann.

Großes Interesse: Rund 200 Zuhörer verfolgten die Reden vor der Ederberglandhalle.

Profiteure solcher Regelungen seien die Unternehmen: „Langzeitarbeitslose vom Mindestlohn auszunehmen, ist ein Skandal“, übte die Verdi-Sekretärin scharfe Kritik. Horstmanns deutliche Forderung: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort.“  Als besonderes Thema sprach Horstmann die Verbesserung der Situation unter anderem der Erzieher an: „Die Erzieher, die Beschäftigten in der Behindertenhilfe, in der sozialen Arbeit, in der Jugendpflege und in allgemeinen sozialen Diensten haben auch ein Streikrecht“, kündigte sie bereits Auseinandersetzungen bei den nächsten Tarifrunden an. Die Verdi-Tarifkommission habe die Urabstimmung eingeleitet: „Die Stimmung ist kämpferisch“, sagte Horstmann: „Streikrecht ist Menschenrecht.“ Sie appellierte an die Zuhörer, sich solidarisch mit den Erzieherinnen und Erziehern zu zeigen. (mjx)

Quelle: HNA

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