Gemündener zu Bewährungsstrafe verurteilt · 16 000 Dateien sichergestellt

Mann bedauert Kinderporno-Besitz

Gemünden/Frankenberg - Nur knapp einer Gefängnisstrafe entkommen ist ein 40-Jähriger aus Gemünden – und das auch nur, weil er vor Gericht einräumte, sich zwischen Anfang 2009 und Frühling 2011 mehrere Tausend kinderpornographische Dateien angeeignet zu haben, und dies nach Ansicht aller Beteiligten aufrichtig bereut.

Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst verurteilte ihn zu einer anderthalbjährigen Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Auf einer Festplatte des Angeklagten seien insgesamt rund 16 000 Foto- und Videodateien sichergestellt worden, die Mädchen und Jungen unter 14 Jahren beim sexuellen Kontakt untereinander und mit Erwachsenen zeigen, führte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in der Anklage aus. Insgesamt habe er sich die Dateien in 18 Fällen angeeignet, zudem wurde er wegen des Besitzes angeklagt. Darüber hinaus wurde ihm vorgeworfen, Pornofilme in zwei Fällen über eine Internet-Tauschbörse zugänglich gemacht zu haben, sodass auch Minderjährige an die Dateien gelangen konnten.

Der Angeklagte räumte die Taten ein. „Ich weiß nicht, wie ich sagen soll, warum ich das gemacht habe“, sagte der 40-Jährige, der mehrfach um Entschuldigung bat. Er sei zunächst zufällig auf eine Seite mit Kinderporno-Fotos gestoßen, dadurch neugierig geworden und über Verlinkungen auf weiteren Websites mit ähnlichem Inhalt gelandet. Meist habe er nur wenige Dateien gespeichert. Die große Gesamtmenge resultiere vor allem aus dem Download eines gepackten Ordners, in dem sich alleine rund 14 400 Bilder befunden hätten, darunter „einige ganz heftige“, wie der Gemündener einräumte, etwa Bilder von Kleinkindern in eindeutigen Posen.

Diese Fotos hätten schließlich dazu geführt, dass er bereits bevor er von dem Ermittlungsverfahren erfahren habe, mit dem Download von Kinderpornos aufgehört habe. „Ich wollte damit nichts mehr zu tun haben“, beteuerte er. Er sei seitdem kaum mehr im Internet unterwegs gewesen. Zudem habe er sich mit der Frage beschäftigt, ob er pädophil veranlagt sein könnte. „Ich bin sicher, dass ich das nicht bin“, sagte er im Gerichtssaal.

Richterin Hülshorst blieb mit ihrem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, deren Vertreterin für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten plädiert hatte. Der Verteidiger des 40-Jährigen hatte sich für eine Geldstrafe ausgesprochen. Der Gemündener muss, sofern das Urteil rechtskräftig wird, neben den Gerichts- und den Gutachterkosten 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen und darf ein halbes Jahr keinen Internetanschluss besitzen. Außerdem wird dem Mann ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. (swe)

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