Mann handelt mit 17 000 Stangen unversteuerten Zigaretten - Gericht verhängt Bewährungsstrafe und 300 Stunden Sozialarbeit

Kassel. Zwei Jahre auf Bewährung und als Auflage 300 Sozialstunden: So lautete am Donnerstag vor dem Landgericht Kassel die Quittung für einen Mann aus dem Waldecker Land, der mit unverzollten und unversteuerten Zigaretten gehandelt hatte.

„Ich war mir bewusst, dass das nicht in Ordnung war“, gab der arbeitslose Mechaniker zu. Niemals jedoch hätte er damit gerechnet, meinte der 31-Jährige, dass er „wegen Zigaretten so bestraft werden würde“.

Beträchtlicher Schaden

Auch dass die Finanzbehörden den beträchtlichen Steuerschaden von ihm einfordern würden, dürfte er nicht auf der Rechnung gehabt haben, als er die vorwiegend aus Russland eingeschmuggelten Zigaretten in Deutschland gewinnbringend verkaufte. Der Verteidiger wies auf weitere Folgen für seinen Mandanten hin: Er müsse nun die Rache ehemaliger Geschäftspartner fürchten. Deshalb habe sich der Angeklagte, trotz weit reichendem Geständnis, an einigen Punkten seiner Aussage zurückhalten müssen. „Aus persönlichen Gründen“, wie der Anwalt betonte.

Über Monate hatten die Zollfahnder die Telefongespräche des Mannes mitgehört. Die Zigarettengeschäfte seien auf russisch und in einer Art Geheimsprache abgehandelt worden, berichtete ein Fahnder vor Gericht.

Anlässlich einer Großlieferung nach Korbach schnappte dann die Falle zu. Der Mann aus dem Landkreis räumte elf Transaktionen aus den Jahren 2008 und 2009 ein, bei denen er mehr als 17 000 Stangen Zigaretten zwischen Lieferanten, Zwischenhändlern und Endkunden bewegt hatte. Zwar verdiente er je Stange nur einen Euro, dem Fiskus aber entgingen jeweils gut 27 Euro an Tabaksteuern – summa summarum also mehr als 470 000 Euro. Das Urteil lautete auf Steuerhehlerei beziehungsweise Steuerhinterziehung. Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, dass er aus finanzieller Not in die illegalen Geschäfte hineingerutscht war.

Aus finanzieller Not

Er habe angesichts einer körperlichen Behinderung Probleme auf dem Arbeitsmarkt gehabt und offenbar keine Chance gesehen, auf legalem Weg seine Familie zu ernähren.

Auch sein Bemühen, vor Gericht bei der Aufklärung der Straftaten mitzuhelfen, sei dem bislang nicht Vorbestraften positiv anzurechnen, betonten die Richter. (psü)

Quelle: HNA

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