Edertal: Mann nach Sexvorwurf frei

Marburg/Oberes Edertal. Ein 26-Jähriger aus dem Oberen Edertal ist vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen worden. Das Gericht konnte nicht beweisen, dass er das Alter der damals 13-jährigen Schwester seiner Lebensgefährtin gekannt hatte.

Staatsanwalt Christian Laubach blieb nach seinen Worten „nichts anderes übrig“, als Freispruch zu beantragen. Es habe nicht zweifelsfrei bewiesen werden können, dass der Mann das genaue Alter des Mädchens gewusst habe, sagte er. Für ihn stehe zwar außer Frage, dass es den angeklagten Oralverkehr mit der damals 13-Jährigen 2008 gegeben habe, aber „formales Recht und Moral sind zweierlei“.

Der 26-Jährige war angeklagt, die beim ersten Vorfall dieser Art Dreizehnjährige in der Wohnung der Lebensgefährtin, mit der er ein Kind hat, mehrfach zum Oralverkehr gezwungen zu haben. Er bestritt, jemals sexuelle Kontakte mit dem Mädchen gehabt zu haben und sprach von einem „Racheakt aus verschmähter Liebe“.

Die heute knapp 16-Jährige berichtete, durchaus für den Lebensgefährten ihrer neun Jahre älteren Schwester „geschwärmt“ zu haben. Sexuelle Kontakte habe sie jedoch nicht gewollt. Da sie häufig bei der Schwester übernachtet habe, habe es dafür jedoch oft Gelegenheit für den jungen Mann gegeben. Er habe sich eines Tages neben sie auf das Sofa gesetzt, die Hose heruntergezogen und gesagt „Mach!“. Das habe sie dann getan, denn sie habe Angst gehabt, andernfalls den Kontakt zu ihrer Schwester und dem Kind zu verlieren. In der Folge sei es wiederholt zum Oralverkehr gekommen.

Der Angeklagte berichtete, das Mädchen habe ihm 2009 erzählt, bereits mit drei oder vier Männern Oralverkehr gehabt zu haben. Dies bestätigte das Mädchen und nannte drei Namen. „Da werden wir weitere Verfahren einzuleiten haben“, so der Staatsanwalt.

Trotz der sehr distanzierten und von vielen Unsicherheiten gekennzeichneten Schilderung der sexuellen Kontakte durch das Mädchen hatten Gericht und Staatsanwalt keine Zweifel, dass sexuelle Kontakte des Angeklagten mit Minderjährigen stattgefunden haben. Bei unter 14-Jährigen sei dies auch ohne Ausübung von Zwang strafbar. Damit wurde für das Gericht zur Kernfrage, ob der Mann das Alter des Mädchens gekannt hatte. „Sie wirkt auf mich älter“, so der Staatsanwalt. Der Angeklagte sagte, er habe gewusst, dass die Schwester „irgendwann Anfang der 1990er Jahre“ geboren sei, aber nicht, wann genau.

Zwar gingen alle Zeugen davon aus, der Mann müsse durch das Leben in der Familie das Alter des Mädchens gekannt haben, aber einen Beweis gab es nicht.

Richter Thomas Rohner zum Angeklagten: „Die allgemeine Lebenserfahrung legt nahe, dass Sie das Alter des Mädchens kannten. Aber das reicht nicht aus. Wir können nicht beweisen, dass Sie es genau wussten.“ (ky)

Quelle: HNA

Kommentare