Eierlikör immer nur abends

„Das ist einfach so passiert“: Margarete Frohberg über ihren 104. Geburtstag

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Eine der ältesten Bewohnerinnen des Landkreises: Margarete Frohberg (links) feiert ihren 104. Geburtstag. Mit dabei ist ihre langjährige Freundin Gisela Gabriel.

Frankenberg. Die fröhliche Seniorin Margarete Frohberg zählt zu den ältesten Bewohnern des Landkreises. Heute wird sie sage und schreibe 104 Jahre alt. Zwei Weltkriege hat sie miterlebt und danach einen kompletten Neuanfang in Sachsenberg gewagt. Wir sprachen mit ihr und ihrer langjährigen Freundin Gisela Gabriel (71) über Frohbergs Rezept für lang anhaltende Gesundheit.

Frau Frohberg, Sie werden heute 104 Jahre alt. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis, wie Sie es geschafft haben, so alt zu werden? 

Margarete Frohberg:  Ich hab es nie darauf angelegt, so alt zu werden. Das ist einfach so passiert. In meinem Leben herrschte immer Betrieb. Langweilig war es nie. Ich war keine Trauerweide und lebte stets nach dem Motto „Man muss das Leben nehmen, wie es kommt“. Dazu gehörte auch, das Leben zu genießen und hin und wieder mal ein Gläschen Eierlikör zu trinken. Aber immer nur abends.

Zur Person 

Margarete Frohberg, geborene Waldenmaier, kam am 24. Oktober 1910 in Augsburg zur Welt. Nach ihrem Abschluss der mittleren Reife, machte sie eine Lehre zur Verlagsbuchhändlerin und arbeitete in der elterlichen Buchhandlung. 1936 heiratete sie Herbert Frohberg und zog mit ihm nach Berlin. Die gemeinsame Tochter Heidrun kam 1941 zur Welt. Während sich ihr Mann im Kriegseinsatz befand, flüchteten Mutter und Kind vor den Luftangriffen auf Berlin nach Dresden. Als Herbert mit einem Lungensteckschuss aus dem Krieg zurückkehrte, gründete das Ehepaar einen Interzonenhandel für Stoffe. Dieser ging jedoch pleite, als ein Regeneinbruch im Stofflager alle Materialien zerstörte. Ende der 50er-Jahre wagte Familie Frohberg einen Neuanfang im Westen, in Sachsenberg. Dort betrieb das Ehepaar einen Grünhandel. 1962 nahm sich Tochter Heidrun das Leben. Der Schicksalsschlag traf die Familie hart. Dennoch versuchten die Frohbergs nach vorne zu blicken und gründeten ein Blumengeschäft. In diesem arbeitete Margarete Frohberg, bis sie 80 Jahre alt wurde. 1995 starb Ehemann Herbert. Danach lebte Margarete noch lange Zeit selbstständig und fuhr noch mit 90 Jahren Auto. 2003 stand sie dann mit gepackten Koffern da, als Gisela Gabriel ihre Freundin besuchte. Sie sah sich nicht mehr im Stande, den Alltag alleine zu bewältigen. Also zog sie ins Seniorenzentrum Ederbergland nach Frankenberg, wo sie heute in einer gemütlichen Kaffeerunde ihren 104. Geburtstag begeht. (fis)

Gisela Gabriel:  Außerdem war Margarete immer sehr aktiv und sportlich. Sie schwamm viel und packte überall mit an. Zusammen mit ihrem Mann Herbert führte sie einige Jahre einen Handel für Tannengrün, Moos und Pilze. Dafür war sie manchmal tagelang mit einem Laster bei Wind und Wetter unterwegs, bis in den Schwarzwald. Dort feilschte sie mit Förstern um bessere Preise. Meist gaben sie nach, denn Margarete ist nicht auf den Mund gefallen.

Wie haben Sie die beiden Weltkriege erlebt? 

Frohberg: Vom Ersten Weltkrieg weiß ich nicht mehr viel. Da war ich ja noch ein Kind. Aber der Zweite Weltkrieg wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Zu der Zeit lebte ich mit meiner kleinen Tochter Heidrun in Berlin – mein Mann Herbert war während des Krieges eingezogen worden. Als es mit den Luftangriffen zu schlimm wurde, flüchteten wir nach Dresden. Dort erlebte ich den Feuersturm im Gewölbe einer kleinen Gartenhütte. Dass sie dem Erdboden nicht gleich gemacht worden ist, war großes Glück. Als Herbert aus dem Krieg zurückkehrte und sich von seiner Kriegsverletzung erholt hatte, wagten wir einen Neuanfang in Sachsenberg. Im Osten wollten wir nicht mehr bleiben.

Wenn Sie an die vergangenen 104 Jahre zurückdenken, was war Ihr schönstes Erlebnis? 

Frohberg: Ein bestimmtes Erlebnis kann ich gar nicht nennen. Allerdings bin ich sehr gern gereist. Herbert und ich haben viele Länder unsicher gemacht. Mit dem Wohnwagen – obendrauf ein aufgepumptes Schlauchboot, hinten zwei Fahrräder – sind wir bis in die Schweiz, nach Spanien, Österreich und auch Italien gefahren. Jugoslawien hat mir aber am besten gefallen. Dort herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. Einmal sind Herbert und ich sogar sechs Wochen lang ohne Papiere gereist. Er hatte sie bei unserem Aufbruch auf dem Küchentisch liegen gelassen. Das war aber kein Problem, wir haben uns einfach überall durchgemogelt.

Gabriel: Margarete sagte einmal, dass sie und ihr Mann den Grünhandel und späteren Blumenladen nur hatten, um sich die Reisen finanzieren zu können. So groß war ihre Liebe zu anderen Ländern.

Was haben Sie gerne in ihrer Freizeit gemacht? 

Frohberg:  Ich hab früher viel gemacht. In Sachsenberg war ich im Kegelclub. Als ich in das Seniorenzentrum zog, waren die anderen aus dem Kegelverein bestimmt froh. Endlich hatten sie auch mal eine Chance. Außerdem habe ich leidenschaftlich gern Klavier gespielt. Auch Blumen- und Weihnachtsgestecke zu fertigen, habe ich geliebt. Da konnte man so schön kreativ sein.

Gabriel: Mittlerweile kann Margarete nicht mehr so gut sehen, was sie aber nicht daran hindert, bei allen Veranstaltungen, die das Seniorenzentrum anbietet, mitzumischen. Sie ist nach wie vor sehr gesellig und plaudert gerne mit den Pflegern und Bewohnern. An manchen Tagen holt sie aber auch eine Lupe und ein Fotoalbum raus, nimmt sich ein Stück Schokolade dazu und blättert dann in alten Erinnerungen. Schokolade isst Margarete für ihr Leben gern. Manchmal ruft sie mich an, um mich zu bitten, doch wieder mal etwas Süßes mitzubringen.

Wovor haben Sie am meisten Angst? 

Frohberg:  Vor dem Sterben jedenfalls nicht. Ich habe in meinem Leben hart gearbeitet, aber auch viel Freude erlebt. Ich habe immer versucht, alles richtig zu machen und mir meine Fröhlichkeit zu bewahren. Wenn mich etwas belastet hat, habe ich es hinter mir gelassen. Ich hatte ein gutes und langes Leben und bin jetzt 104 Jahre alt. Was sollte mir da noch Angst machen?

Haben Sie zum Geburtstag einen besonderen Wunsch? 

Frohberg:  Weiterhin gesund zu bleiben, wäre schön. Im Krankenhaus war ich in meinem Leben nur zwei Mal. Ein Mal bei der Geburt meiner Tochter Heidrun 1941 und dann noch mal 2002 für drei Tage. Da brauchte ich aber nur ein paar Infusionen, um wieder in Gang zu kommen. Einen besonderen Wunsch hätte ich vielleicht doch noch: Noch einmal nach Jugoslawien zu reisen. Ich denke gerne an die Zeit dort zurück.

Von Viktoria Fischer

Quelle: HNA

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