Marihuana für kranke Mutter angebaut - aber nicht nur

Frankenberger Land. Ein 31-Jähriger ist verurteilt worden, weil er in seinem Elternhaus Cannabis angepflanzt hat - als Schmerzmittel für seine Mutter, aber auch zum Verkauf.

Abends, wenn die Schmerzen besonders schlimm sind, mischt der 31-Jährige seiner Mutter gelegentlich ein halbes bis ein Gramm Marihuana in den Kakao. Das helfe ihr, sagte der wegen Anbaus und Verkaufs von Cannabis Angeklagte am Montag vor der Amtsgericht Frankenberg.

Er legte eine Stellungnahme des Hausarztes vor, in der dieser bestätigt, dass Marihuana schmerzlindernd und muskelentspannend wirke und dass der 31-Jährige sich tatsächlich um die seit vier Jahren an der Nervenkrankheit ALS erkrankte Mutter kümmere.

Richterin Andrea Hülshorst wies auf eine Änderung der gesetzlichen Lage hin, bei der der Konsum der Droge Cannabis für schwer kranke Schmerzpatienten erleichtert werden soll. Sie rechnete dem Angeklagten aber vor, dass die im ersten Stock des Hauses der Familie gefundene Menge weit über den Bedarf der Mutter hinausgehe.

Fast 200 Gramm der "Medizin"

Im August 2014 entdeckte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung nicht nur insgesamt fast 200 Gramm Marihuana mit unterschiedlichem THC-Gehalt, sondern eine regelrechte Cannabis-Plantage, wie ein Beamter als Zeuge schilderte. Der 31-Jährige nutzte dafür das gesamte erste Stockwerk im Elternhaus. 18 Pflanzen und rund 60 Setzlinge zog er im komplett mit Folie ausgelegten Wohnzimmer und in der Küche auf. In der mit Erde gefüllten Badewanne topfte er wohl die Pflanzen um. An der Wand hingen Anleitungen zur Cannabiszucht.

Weil er im Internet die dafür nötige Ausrüstung, zum Beispiel Lampen und eine Beregnungsanlage im Wert von etwa 1500 Euro, gekauft hatte, war ihm die Kripo auf die Schliche gekommen. Als die Beamten an der Tür klingelten, wies der Angeklagte sie gleich auf die Aktivitäten in der ersten Etage hin.

Drogen-Käufer ermittelt 

Durch die Auswertung seines Mobiltelefons ermittelte die Kripo auch einen Käufer der Droge. Der 32-Jährige, der am Montag als Zeuge geladen war, bestätigte, zirka zehn Mal jeweils ein bis zwei Gramm im Wert von fünf Euro pro Gramm gekauft zu haben.

Der Angeklagte gab zu, auch selbst Marihuana zu konsumieren. Und das bereits seit dem 14. Lebensjahr. Gelegentlich nehme er zudem Amphetamine. Jedoch schränke er derzeit den Konsum beider Drogen erheblich ein. Er sei dabei, auf beides zu verzichten, denke auch über eine Drogenentzugs-Therapie nach. Allerdings ginge das derzeit nicht, weil er seine Mutter Tag und Nacht pflege, da der Vater berufstätig sei. Er selbst bezieht Hartz IV.

Warum Richterin Andrea Hülshorst ihm dies nicht so ganz abnahm und welche Strafe sie verhängte, das lesen Sie in der gedruckten Dienstagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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