Der bekannte Schauspieler spricht über seine Beziehung zu Grass, den Grimms und seinen Beruf

Interview: Mario Adorf liest Märchen der Brüder Grimm

Zu Besuch im Landkreis: Schauspieler Mario Adorf. Foto: Katharina Jaeger

Waldeck-Frankenberg. Mario Adorf (81), einer der bekanntesten und beliebtesten Schauspieler Deutschlands, liest am Samstagabend auf Schloss Waldeck aus Grimms Märchen. Im HNA-Interview spricht er von seinem Verhältnis zu Märchen und zum Schriftsteller Günter Grass.

Der wollte aus seinem Werk „Grimms Wörter“ vortragen. Aus gesundheitlichen Gründen sagte er ab. Für ihn liest seine Tochter, die Schauspielerin Helene Grass.

Herr Adorf, wie haben Sie Günter Grass kennengelernt? Bei den Dreharbeiten zur Blechtrommel 1977?

Kurzclip: Mario Adorf über sein Lieblingsmärchen

Mario Adorf: Ja. Grass kam ab und zu zu den Dreharbeiten. Für Regisseur Volker Schlöndorff war das eine Prüfung, weil ein Autor immer auch eigene Vorstellungen hat, und Grass brachte seine Vorstellungen ein. Für uns Schauspieler war das sehr interessant, weil er mit guten Vorschlägen und Erklärungen kam. Zu der Szene, in der ich mit Katharina Thalbach auf dem Sofa zugange bin, sagte er, dass das keine so genannte Liebesszene geben dürfe. Es sei quasi eine Vergewaltigung, eine unangenehme, böse Szene, und so haben wir dann gespielt.

Haben Sie seither regelmäßig Kontakt mit Günter Grass?

Adorf: Wir sehen uns alle Schaltjahre einmal. Es ist eine lose, angenehme Bekanntschaft. Zuletzt haben wir 2009 in Lübeck zusammen gelesen, aus dem Buch „Beim Häuten der Zwiebel“.

Dann sind Sie sicher – wie auch die Besucher – enttäuscht, dass Sie Günter Grass nun nicht zur Lesung sehen?

Adorf: Es ist schade, natürlich. Aber ich bin sicher, dass wir mit seiner Tochter Helene eine schöne Veranstaltung machen werden - die Grimms sind ja auch noch da. Mit Grass bin ich für den Herbst verabredet, da gibt es ein Jubiläum im Grass-Haus Lübeck.

Kennen Sie Helene Grass, seine Tochter?

Adorf: Nein, ich kenne sie noch nicht. Aber ich höre, sie ist eine gute Schauspielerin, sie wird Grass sicher würdig vertreten.

Was werden Sie lesen?

Adorf: Ich lese Märchen und einen Briefwechsel der Grimm-Brüder.

Was verbindet Sie persönlich mit den Brüdern Grimm?

Adorf: Ich habe die Märchen zum großen Teil gelesen, aber erst als Erwachsener. Als Kind wurden mir früher keine Märchen vorgelesen - es war eine andere Zeit.

Was ist Ihr Lieblingsmärchen?

Adorf: Hans im Glück. Was mir daran gefällt, ist, dass der Besitz abnimmt und das Glück zunimmt.

Sie sind einer der beliebtesten Schauspieler Deutschlands. Was bedeutet Ihnen das?

Adorf: Ja, es schmeichelt sicher, dass man so eine Anerkennung gefunden hat, die durchgehend ist und keine Einbrüche erfahren hat. Dafür bin ich dankbar. Ich ruhe mich darauf nicht aus, sondern denke immer, dass man noch etwas besser machen kann. Ich habe noch Pläne, aber keine langfristigen.

Welche Pläne sind das?

Adorf: Ich werde im Mai wieder einen Film machen. Eine Geschichte, die ich dem ZDF vorgeschlagen habe, von dem französischen Schriftsteller Philippe Djian. Dann werde ich einen Film beenden mit der jungen Regisseurin Lola Randl. Im Herbst soll ich mal wieder eine Version von Pinocchio als Tischler Geppetto drehen. Mit Gero von Böhm soll ich eine Sendung über die deutschen Mythen machen.

Das komplette Interview lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der HNA Frankenberger Allgemeinde und Waldecker Allgemeine

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Von Martina Biedenbach

Quelle: HNA

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