Burgwald

Ein Maultier und eine tierische Liebe

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- Frankenau (pku). Kranke und alte Pferde leben auf dem Pferdeschutzhof von Wolfgang und Elke Hellmann. Nun kümmert sich das Ehepaar auch um ein Maultier. Und zwischen einem Pony und einem Pferd hat sich eine rührende Liebesgeschichte angebahnt.

Vor rund sechs Monaten kam das Maultier auf den Pferdeschutzhof in Frankenau. Vermittelt wurde das Tier von der Eselnothilfe, weil seine Vorbesitzer sich nicht mehr um das rund 20 Jahre alte Tier kümmern konnten, erzählt Elke Hellmann. Der Besitzer war gestorben, seine Frau erlitt einen Schlaganfall. Nachbarn kümmerten sich um das Tier – allerdings nicht artgerecht. „Esel vertragen nur sehr wenig Futter, denn ihr Stoffwechsel ist nicht für unsere fetten Wiesen gemacht“, erklärt Elke Hellmann. Schnell seien Esel überfüttert, dann bekommen sie schmerzhafte Hufrehe, an der sie sogar sterben können.

Überfüttert war das Maultier, als es nach Frankenau kam. Das Tier wollte nicht angebunden werden, war scheu und weigerte sich, die Hufe zu geben. Die Eselnothilfe suchte daher erfahrene Hände für die Pflege des Huftiers. Elke und Wolfgang Hellmann nahmen das Maultier gerne auf – einen Platz im Stall hatten sie noch frei. Ein Name war schnell gefunden: Bileam heißt das Tier. In der Bibel steht eine Geschichte von Bileam, der seinen Esel schlug, weil er stehen blieb. Dabei sah der Esel einen Engel – Bileam konnte ihn nicht sehen und misshandelte daher das schlaue Tier.

„Die Geschichte steht dafür, wie wir Menschen mit den Tieren umgehen“, erzählt Elke Hellmann. Der Mensch sei hartherzig und lasse sich nicht auf sein Tier ein, verstehe dessen Sprache nicht. „Funktioniert das Tier nicht, dann wird es geschlagen.“ Dabei seien Esel intelligente Tiere – alles andere als störrisch. Vielmehr bleiben sie stehen, wenn sie eine Situation nicht kennen und erst einmal beobachten wollen. „Statt zu schlagen, muss man vorgehen und dem Esel zeigen, dass er keine Angst haben muss.“ Schläge hingegen können ein Tier auch gefährlich machen: Aus Angst vor Schlägen können nicht nur Esel schon mal beißen oder treten.

In Frankenau hat Bileam ein liebevolles Heim gefunden. Zusammen mit fünf Pferden lebt er bei Familie Hellmann, bei gutem Wetter kommt er jeden Tag auf die Weide und nachts in einen warmen Stall. Scheu ist er schon lange nicht mehr. Sobald Elke Hellmann oder ihr Mann die Weide betreten, kommt Bileam angetrabt und holt sich seine Streicheleinheiten. Und auch seine Hufe hebt er jetzt gerne an, um sie säubern zu lassen.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 28. Oktober

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