Chance auf Milcherzeugerpreis

Mehr als ein einfacher Familienbetrieb

Sarah, Pia, Olaf, Fabian und Heike Fackiner (von links) vom Dainroder Birkenhof hoffen auf den hessischen Milcherzeugerpreis. Es wäre der zweite Sieg in nur einer Woche: Beim Pfingstmarkt hatte Jungkuh Lalivia gepunktet.Foto: Malte Glotz

Frankenau-Dainrode - Geht heute Mittag auf dem Hessentag in Wetzlar alles glatt, dann kann sich Olaf Fackiner und mit ihm seine Familie mit einem besonderen Preis schmücken: Der Betrieb ist einer der Nominierten für den hessischen Milcherzeugerpreis "D‘Kall".

Ab und an muht es in der Melkhalle der Familie Fackiner - das ist auch nichts Ungewöhnliches für einen Betrieb mit etwa 250 Kühen. Ungewöhnlich ist eher die Geschwindigkeit, mit der die Kühe gemolken werden: Melkschemel-Romantik herrscht auf dem Birkenhof schon lange nicht mehr, doch auch die klassischen Melkmaschinen finden sich im Betrieb nicht. Stattdessen fahren die Tiere vollkommen entspannt im Karussell.

Das Melkkarussell kann 28 Tiere gleichzeitig melken, jedes braucht für eine Runde zwölf Minuten - mit der einen oder anderen kurzen Unterbrechung wegen einer eigensinnigen Kuh macht das rund 120 Kühe in der Stunde. Zwei Melkrunden, jede etwa zwei Stunden lang, braucht Fackiner am Tag, um alle Kühe von ihrer Milch zu erleichtern. Früher war dreieinhalbmal so viel Zeit nötig.

Doch für den Betriebsleiter, Familienvater Olaf Fackiner, ist die ganze moderne Technik nicht alles. „Für mich ist der erweiterte Familienbetrieb die Betriebsform der Zukunft“, sagt der Landwirt, der eher Manager ist als Bauer. Auf dem Birkenhof arbeiten nicht nur er, seine Frau und seine Eltern, sondern auch zwei Festangestellte. Mit den Kindern Sarah, Fabian und Pia ernähren die 250 Tiere also neun Menschen - die Familien der Angestellten noch nicht einmal mitgerechnet.

Für Fackiner und seine Familie hat das Vorteile: „Wir können ganz normal in den Urlaub fahren und sind aus dieser landwirtschaftlichen ‚Tretmühle‘ etwas befreit“, sagt er. Dafür allerdings sei eine gewisse Betriebsgröße nötig.

Investition in die Zukunft

Die Zukunft spielt für den Landwirt eine große Rolle. So investiert er immer wieder in seinen Betrieb. In den vergangenen zwei Jahren sind so nicht nur 50 weitere Rinder hinzugekommen, sondern auch eine „Wellnessoase“ für die Tiere, wie Fackiner es nennt. Etwa eine Woche vor dem Kalben kommen die Muttertiere in dieses weitläufige und mit Stroh gepolsterte Areal des Stalls. Nach dem Kalben können sie sich eine weitere Woche von den Strapazen erholen, bevor sie wieder in die Milchproduktion kommen.

Nagelneu ist die Photovoltaik­anlage auf den Dächern der Ställe: „Man muss ein bisschen visionär sein und abschätzen, wie die Zukunft sich entwickelt“, sagt Olaf Fackiner. Die Schaffung eines zweiten Standbeins sei daher ideal, gerade in Zeiten wie diesen: „Die Milchpreise entwickeln sich derzeit gar nicht gut für uns, aber die Preise für Futter, Diesel und Betriebsstoffe liegen etwa doppelt so hoch wie bei der letzten Milchpreisflaute“, beklagt sich Fackiner. Und er erkennt sogleich einen weiteren Vorteil des erweiterten Familienbetriebs: „Wenn nicht alle Mitarbeiter Festangestellte sind, kann man solche Schwankungen besser abfedern.“

Überzeugendes Konzept

Fackiners Gesamtkonzept überzeugte auch die Fachjury des Innovationsteams der Landesvereinigung für Milch (siehe Kasten). Neben dem Stormbrucher Karl-Erhard Pohlmann und einem Betrieb aus Hilders bei Fulda ist er einer der drei Nominierten für den Micherzeugerpreis „D’Kall“. Die Jury besuchte jeden einzelnen Hof, der sich beworben hatte, und schaute tief hinter die Kulissen. Sauberkeit, Arbeitsabläufe, Wirtschaftlichkeit und ein großer Fragebogen - „es war einiges, was die wissen wollten“, erinnert sich Fackiner. Er hat sich zum ersten Mal für den Preis beworben - dass er sofort zu den besten drei Betrieben zählt, sei bereits Erfolg genug, gesteht er ein.

Das Ergebnis, das heute gegen 13.30 Uhr in Wetzlar bekannt gegeben werden soll, erwartet die ganze Familie dennoch mit Spannung. Zum Hessentag nach Wetzlar fahren Kinder, Eltern und Großeltern. „Um den Betrieb kümmern sich dann am Abend die Angestellten“, sagt Olaf Fackiner - noch so ein Vorteil seines „erweiterten Familienbetriebs“.

Kommentare