Wirtschaftsförderer Franke begrüßt Initiative

Mehr Güterverkehr auf der Bahnstrecke

Gehören mit Holz beladene Güterwaggons künftig wieder zum Frankenberger Stadtbild? Die Kreis-FWG fordert jedenfalls, dass der Kreis Anstrengungen unternimmt, um die Strecke Korbach–Frankenberg durch Gütertransporte besser auszulasten. Archivfoto: rou

Frankenberg - Die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke von Korbach nach Frankenberg ist beschlossene Sache. Bislang liegt der Fokus auf der Personenbeförderung. Das soll sich ändern, fordert die FWG-Kreistagsfraktion. Sie regt Verhandlungen mit der Bahn über mehr Güterverkehr durch den Kreis an.

Ende 2014 sollen wieder die ersten Züge zwischen Korbach und Frankenberg fahren. Das steht seit Mitte September fest. Nach Vorstellungen der FWG-Kreistagsfraktion sollen dann aber nicht nur Personenzüge auf der für voraussichtlich 16,8 Millionen Euro sanierten Trasse rollen, sondern auch Güterzüge. Mit einem entsprechenden Antrag hat sich Fraktionschef Wilhelm Arnold Anfang des Monats an den Kreis gewandt. Der Kreisausschuss soll beauftragt werden, gemeinsam mit dem Wirtschaftsförderer Verhandlungen mit der Bahn und heimischen Unternehmen mit dem Ziel zu führen, Gütertransporte auf der Strecke zu erreichen. Auch die Nachbarkreise sollen einbezogen werden. „Hierdurch könnte die Wirtschaftlichkeit der Bahntrasse verbessert werden und sich die ungedeckten Betriebskosten verringern“, begründet Arnold.

Inklusive einer Teilfinanzierung der acht Bahnübergänge muss der Landkreis nach aktueller Hochrechnung knapp 3,1 Millionen Euro der Investitionen tragen. Hinzu kommen 200 000 Euro an jährlichen Zuschüssen für die Betriebskosten. Und dieser Anteil soll sich ab 2016 um jährlich 2,3 Prozent erhöhen. Der Zuschuss ist zunächst zwar bis 2017 begrenzt, aber die Planungen sind auf eine Laufzeit von 20 Jahren bis 2034 angelegt.

Wirtschaftsförderer Siegfried Franke sieht in den Bemühungen um mehr Güterverkehr auf der Schiene eine logische Konsequenz. „Wer nur darüber diskutiert, wie viele Frankenberger nach Korbach fahren oder umgekehrt, der springt doch viel zu kurz.“ Auch wenn er seine Bedenken habe, dass sich die Strecke betriebswirtschaftlich rechne, sei er jederzeit ein Verfechter der Reaktivierung gewesen. „Man muss das große Ganze sehen.“ Einerseits nehme der Verkehr immer weiter zu, also sei es notwendig, nach Entlastungen zu suchen. Andererseits sei es wichtig, den Menschen von Rhein, Main und Ruhr die Möglichkeit zu geben, mit der Bahn durch den Kreis zu fahren. Franke erhofft sich davon weiteren Rückenwind für den Tourismus in Waldeck-Frankenberg. Und wenn über eine sinnvolle Auslastung der Strecke von Korbach nach Frankenberg diskutiert würde, „dann muss man auch den Güterverkehr berücksichtigen“. Nur über die langen Güterzüge würde die Strecke sinnvoll in das Netz eingebunden.

„Unsere hiesige Wirtschaft wird vermutlich sagen: Wir brauchen die Schiene nicht“, glaubt Franke. Allerdings gibt es Ausnahmen: Wöchentlich rollen Güterzüge vor dem Battenberger Bahnhof vor, um Holz zu laden, das zu einer Zellulosefabrik transportiert wird. Und auch für die Firma Balzer in Allendorf ist die Strecke Frankenberg-Auhammer von Bedeutung: Sie erhält über die Schiene Gaslieferungen. „Wenn wir keine vernünftige weitere Anbindung haben, könnte es sein, dass der Abschnitt in einigen Jahren stillgelegt wird“, vermutet Franke

Doch der Durchgangsverkehr spielt Frankes Überzeugung nach ohnehin die wichtige Rolle für diese Diskussion. Güter aus dem Ruhrgebiet müssten aktuell über den Umweg Kassel, Wabern, Kirchhain nach Marburg transportiert werden. „Und diese Strecke ist völlig überlastet.“ Und ein Teil dieses Verkehrs könnte nach Waldeck-Frankenberg verlagert werden. In einer Runde mit Politikern habe er schon einmal angemerkt: „Der Verkehr, der jetzt am Rhein zu viel ist, den holen wir rüber nach Waldeck-Frankenberg“, berichtet der Wirtschaftsförderer. „Es war aber jemand dabei, der nah an der Strecke wohnt. Und der war nicht begeistert.“ Die vor allem in Frankenberg geführten Diskussionen über einen drohenden Verkehrskollaps durch die Reaktivierung der Bahnstrecke hält Franke allerdings für überzogen. Zum Hintergrund: In der Innenstadt kreuzen sich die Verkehrswege viermal: in der Berleburger Straße, der Röddenauer Straße, der Jahnstraße und der Wilhelmstraße. „Wenn ich den Bahnübergang in Twiste sehe, und die Bundesstraße 252 ist mit Sicherheit nicht weniger befahren als die Stadtstraßen in Frankenberg, da ist die Schranke maximal zwischen einer halben und einer Minute geschlossen.“ Für Frankenberg habe er Berechnungen angestellt: „Und es wird nicht groß anders sein als momentan.“ Und wenn ein Güterzug mit mehreren Waggons fahre, dann dauere es etwas länger.

Henning Scheele, Fraktionschef der Frankenberger Bürgerliste (ehemals FWG) ist von dem Antrag der Kreis-FWG hingegen alles andere als angetan. „Ich habe ihn zur Kenntnis genommen, auch wenn ich ihn inhaltlich nicht teile.“ Ohnehin sei er kein Befürworter der Reaktivierung, „weil das Gesamtpaket nicht gut ist. Es bringt für die Bürger nichts und kostet nur viel Geld“. Den aktuellen Antrag sehe er sehr kritisch. Es sei ohnehin davon auszugehen, dass der Güterverkehr von überlasteteten Strecken nach Waldeck-Frankenberg verlagert werde, auch in der Nacht. „Und das Problem mit dem Antrag noch weiter zu untermauern, entspricht nicht meinen Vorstellungen.“ Scheele verweist dabei auf die, die direkt an der Trasse wohnen. Dies seien Belastungen, die in keinem Verhältnis stünden: „Denn auch durch mehr Güterverkehr werden sich die Investitionen in die Bahnstrecke nicht amortisieren.“

Der Kreistag berät am Montag, 5. November, ab 13 Uhr in Vöhl über den Antrag der FWG.

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