Sanierung des Frankenauer Kindergartens verzögert sich

Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Platz

Frankenau - Eigentlich sollten die Sanierung und die Erweiterung des Kindergartens schon abgeschlossen sein. Doch verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass sich das Projekt um Monate verzögert und um 200.000 Euro verteuert. Mittlerweile läuft auf der Baustelle aber alles planmäßig.

Im Sommer 2011 sind die Kindergartenkinder in die alte Hauptschule, das Martin-Luther-Haus und ins Dorfgemeinschaftshaus in Ellershausen umgezogen. Seitdem wird der Kindergarten in der Kernstadt umgebaut, saniert und erweitert. Das große Projekt sollte bereits im Februar abgeschlossen sein – doch daraus wurde nichts. Das Gebäude wird nach Angaben des Frankenauer Baumtsleiters Thomas Tönges voraussichtlich erst im Spätsommer bezogen. Dann sollen vier Gruppen, aufgeteilt auf Erd- und Obergeschoss, Platz im neu gestalteten Kindergarten haben.

Für diese deutliche Verzögerung gibt es gleich mehrere Gründe. Einer ist der Wechsel des Architekten: Manfred Quehl, der den Umbau zunächst geplant hatte, hat den Vertrag mit der Stadt Frankenau während der Arbeiten gekündigt. Allerdings sei das Projekt zu diesem Zeitpunkt bereits hinter dem Zeitplan gewesen, sagt Bauamtsleiter Tönges. Der Frankenauer Architekt Hendrik Pape hat die Baustelle übernommen. „Er musste sich erst einarbeiten, das braucht auch Zeit“, sagt Tönges.

Außerdem gab es – wie bei vielen großen Bauprojekten – während der Arbeiten neue Situationen und unerwartete Ausgaben. So musste das Dachgebälk erneuert werden, was nicht eingeplant war. Der behindertengerechte Zugang zum Gebäude wird über eine Rampe ermöglicht statt über einen zweiten Eingang. Weitere Zeit hat eine Veränderung der Statik gekostet: Ein so genannter Überzug aus Beton musste entfernt werden. Auch die Entscheidung für eine Fußbodenheizung fiel erst während der Bauzeit, erläutert Tönges. Aktuell wird der alte Öltank ausgebaut. An seine Stelle rückt eine Pellet-Heizanlage. Dadurch verringern sich die Betriebskosten für den Kindergarten um mehr als die Hälfte, begründet Thomas Tönges.

Derzeit werden Leichtbauwände eingezogen und die Sanitäranlagen installiert. Mit dem Verlauf und der Qualität der Arbeiten zeigten sich sowohl Hendrik Pape als auch Thomas Tönges zufrieden.

Die Bauarbeiten am evangelischen Kindergarten werden nicht nur länger dauern, sondern auch mehr kosten: Die Gesamtsumme steigt von rund 800.000 auf eine Million Euro. Der Antrag auf Nachförderung läuft bereits. Für die Sanierung und Erweiterung des Kindergartens gibt es Zuschüsse aus drei „Töpfen“: das Programm „Stadtumbau in Hessen“ sowie die Landesförderung für die Gebäudeerweiterung für Kindern unter drei Jahren und für die energetische Sanierung von Gebäuden.

Dass im Kindergarten länger gebaut und dadurch die alte Hauptschule weiterhin als „Übergangs-Kindergarten“ genutzt wird, stellt für das Lebenshilfe-Werk Waldeck-Frankenberg derzeit kein Problem dar. Denn auch der Umbau der alten Hauptschule zu einem Seniorenwohnheim verzögert sich. Das bestätigte Theo Brömmelhaus, Vorstandsmitglied und Leiter des Fachbereichs Wohnen im Lebenshilfe-Werk, auf FZ-Anfrage. Durch die Wiederaufnahme der Tagespflege für Senioren in den Bedarfsplan beim Landkreis sei das Seniorenwohnprojekt in ein Förderprogramm des Landes gekommen. Dafür müsse nun aber die Bauleitplanung noch einmal überprüft und angepasst werden. In der alten Hauptschule wird deshalb ein wenig anders gebaut: So werde etwa der Aufzug nicht außen am Gebäude, sondern darin installiert, erläutert Brömmelhaus. Das Senioren-Wohnprojekt besteht aus mehreren Bestandteilen, darunter ein Neubau (wir berichteten). Dieser solle „zeitnah“ in Angriff genommen werden, sagt der Fachbereichsleiter. Allerdings ergaben die Ausschreibungen deutlich höhere Baukosten als geplant, auch durch das Konjunkturprogramm II. Für den Neubau seien statt der geplanten 490.000 Euro plötzlich 600.000 Euro veranschlagt worden. Deshalb schrieb die Lebenshilfe wiederholt aus, um mehrere Angebote vergleichen zu können. Brömmelhaus kündigt für die nächste Woche eine Entscheidung an, wann mit dem Bau begonnen werde.

Von Andrea Pauly

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