Ellershausen

Die meisten Osterschafe werden im Winter geboren

- Warum heißen die Osterlämmer Osterlämmer? Weil sie zu Ostern geboren oder weil sie zu Ostern gegessen werden?

Frankenau-Ellershausen. Wir waren in der Schäferei Ellershausen bei Annette Flandorffer und Stephan Mielinski. Dort bekamen wir Antworten auf diese Fragen, erfuhren aber auch noch vieles andere über Schafe und Schäferei rund ums Jahr. Beginnen wir gleich mit der Frage nach den Osterlämmern: geboren oder gegessen? Die Antwort der Fachleute: Beides ist falsch! Denn die meisten Lämmer werden schon vor Ostern geboren. Und die, die gegessen werden, stammen meist aus dem Vorjahr. Die knappe Antwort ist allerdings doch etwas vereinfachend. Genauer betrachtet ist der Geburtstermin der Lämmer durch den Zeitpunkt zu steuern, an dem die Schafböcke zur Herde gelassen werden. Natürlich verschiebt sich der Ostertermin auch jährlich. Was das Lammfleisch angeht, das zu Ostern gerne gegessen wird, so verkaufen Annette Flandorffer und Stephan Mielinski zu diesem Zweck meisten Jährlinge. Wie sind die Schafe überhaupt durch den letzten strengen und schneereichen Winter gekommen? „Wir haben Glück gehabt, dass unser neuer Außenstall schon im Bau war, so dass die Tiere dort etwas Schutz finden konnten und wir bei den Neugeborenen relativ wenig Ausfälle hatten. Natürlich mussten wir jeden Morgen nachschauen, und die Mutterschafe mit den Lämmern in den festen Stall transportieren. Futter hatten wir auch genug mit unseren eigenen Heuvorräten,“ erklärt Annette Flandorffer. Ihre Landschafe seien auch zum Glück eine so genügsame Rasse, dass sie allein mit dem Heu auskämen. Auf die Frage, wie man denn zu einer Schäferei käme, antwortet Flandorffer, sie wollte schon immer Schäferin werden, hätte aber ursprünglich im Angestelltenverhältnis arbeiten wollen. Dass sie es schließlich allein versucht hätten, daran sei Stephan Mielinski mit „schuld“. Eine goldene Nase könne man sich weder so noch so bei dieser Arbeit verdienen. Aber der Besucher spürt noch den Idealismus, der mit der Absicht verbunden ist, mit der Natur, den Tieren und den Jahreszeiten im Einklang zu leben.Dass sie diesen Beruf immer noch als erfüllend betrachtet, ist nicht zu übersehen, wenn man sie zu verschiedenen Jahreszeiten an unterschiedlichen Hüteplätzen aufsucht und sieht, wie sie, auf ihren Stab ( „Schlehenholz ist dafür am besten, aber gerade Stöcke sind schwer zu finden“) gestützt, die Hunde kommandiert oder wie sie sich ein hinkendes Schaf heraus „angelt“, um es zu behandeln.

Und wenn sie im Winter bei schneidendem Ostwind auf freiem Feld oberhalb von Gellershausen den Schutz eines Betonmasts sucht und an ihn gelehnt meint: „Jetzt könnte ich mir ganz gut vorstellen, auf Mallorca zu sein“, dann denkt sie nicht ans Aufgeben, sie wirkt einfach nur ehrlich. Idyllisch wirken dagegen die Momente, wenn sie auf ihren Wiesen bei Armsfeld unter blühenden Kirschbäumen sitzt und ihr Frühstück verzehrt. So stellt sich die meisten Menschen Schäferromantik vor. Doch Annette Flandorffer revidiert gleich die Wirkung des Bildes: „Unbeschwert ist man beim Hüten nie. Man sorgt sich doch meistens: Ist mit den Tieren alles in Ordnung? Passen die Hunde an der Straße auf?“ Schließlich ist ihr bester Hund beim Hüten überfahren und getötet worden. „Die Hunde sind auf der Straße mehr gefährdet als die Schafe, weil sie so auf die Arbeit konzentriert sind, dass sie nicht auf den Verkehr achten.“ In dem Zusammenhang kritisiert sie manche Autofahrer, die viel zu schnell eine Herde passierten und dann auf unvorhergesehenes Verhalten der Tiere nicht mehr reagieren könnten. Alle Arbeiten rund ums Hüten sind ihre Aufgabe. Stephan Mielinski ist mehr für den Transport und die Agrartechnik zuständig. Gemeinsam sind ihnen beiden die Sorgen um ihre Zukunft. Dabei ärgert sie am meisten, dass sie im Grunde nicht selbständig sind, sondern „am Tropf der EU hängen“. Vom Verkauf des Fleisches und der Wolle könnten sie nicht leben, der größte Teil ihres Einkommens bestünde aus Subventionen – darunter auch sinnvolle, weil sie mit ihrer Arbeit auch Naturschutz leisteten.

Mehr lesen Sie in der Zeitungsausgabe der Frankenberger Zeitung am Samstag, 3. April 2010.

Kommentare