Pfarrer Schiffner ist seit 20 Jahren in Frankenberg

Mensch sein und für Menschen da sein

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Pfarrer Horst Schiffner ist seit 20 Jahren in Frankenberg tätig. Er betreut die Altstadtgemeinde und Friedrichshausen. Um Kirche und Glaube mit Leben zu füllen, geht er auch mal unkonventionelle Wege.Foto: Malte Glotz

Frankenberg - Ganz still und leise hat in diesem Jahr eines der bekanntesten Frankenberger Gesichter „runden Geburtstag“ gefeiert: Horst Schiffner ist seit 20 Jahren Pfarrer in Frankenberg. Ihn bewegt es, den Glauben in den Menschen zu entfachen - gern auch mit modernen Methoden.

„Wenn der Berg nicht zum Propheten kommen will, muss der Prophet zum Berge“ - man müsste dieses Sprichwort wohl umdrehen, wenn man die Situation beschreiben wollte, in der die Kirche heutzutage oftmals steckt. Denn so ohne Weiteres kommen die Gläubigen eben nicht mehr zur Kirche. Also muss die Kirche zu den Menschen kommen. Dieses Prinzip lebt Pfarrer Horst Schiffner inzwischen schon seit 20 Jahren in der Ederstadt. Er möchte die Menschen zum Glauben ermutigen, doch er möchte dies nicht mit donnernden Reden von der Kanzel tun, sondern in Gesprächen, durch gemeinsame Aktionen, im Zwischenmenschlichen.

„Ich sehe mich gerne auch mal in der zweiten Reihe“, sagt der Pfarrer - ungewöhnliche Worte für jemanden, der sonntäglich vor Dutzenden, manchmal Hunderten Menschen steht. Er sieht sich eben nicht als wortgewaltigen Prediger - „es ist eine Schwäche, dass meine Predigten manchmal sehr lang sind“, gesteht er ein -, sondern als jemand, der auf Menschen zugeht. Die Arbeit in Kindergärten, Seniorenzentren, mit musikalischen Gruppen, den Konfirmanden, dem Frauenkreis - all das ist für ihn nicht nur Arbeit in der Gemeinde, sondern auch Arbeit am Glauben. „Für mich gehört das alles durch mein Verständnis von Kirche ohnehin dazu. Heute aber ist es noch viel wichtiger, da sich viele Menschen in der Kirche nicht mehr wirklich zu Hause fühlen“, sagt Horst Schiffner. Gerade die mittlere Generation dürfe nicht aus den Augen verloren werden, sagt er nachdenklich. Und gesteht ein, dass die im Frankenberger Land stark vertretenen Freikirchen dort der Amtskirche vieles voraus haben. „Aber ich sehe das nicht als direkte Konkurrenz“, sagt Schiffner. Die Kirche selbst biete vom Tauferinnerungs- über den Einschulungsgottesdienst bis zu musikalischen Gottesdiensten jede Menge Zielgruppenangebote.

Vielmehr schätze er die Zusammenarbeit mit den Freikirchen, etwa die Allianz-Arbeit. Und auch mit seinem katholischen Kollegen Pater Norbert kommt Schiffner gut zurecht. So ist es kaum verwunderlich, dass er während einer ökumenischen Feier in der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt für seine 20-jährige Tätigkeit in Frankenberg geehrt wurde. „Ich wusste davon nichts, aber die Ehrung in diesem Rahmen bedeutet mir sehr viel“, sagt der Pfarrer.

Als er vor 20 Jahren nach Frankenberg kam, war ihm die Stadt weitgehend unbekannt. Einmal hatte er sie zuvor besucht - ausgerechnet bei einem Ausflug seiner damaligen Kirchengemeinde Pfieffe bei Spangenberg. „Da wusste ich aber noch nicht, dass Frankenberg einmal meine Gemeinde werden würde“, sagt er und lacht. Pfieffe, das waren vier Dörfer die er betreuen durfte. „Für einen Anfänger wie mich sicher ideal“, sagt er - aber eben auch sehr klein. Er wie auch seine Frau sind kleinstädtisch geprägt. Zudem kam 1990 die Tochter auf die Welt, „und es gab dort nur einen einzigen Jungen im gleichen Alter“, erinnert er sich.

Da kam die „Pfarrstelle drei“ mit Frankenberg und Friedrichshausen genau recht. „Ich hatte nicht erwartet, dass man mich nimmt“, sagt er - zu attraktiv klang das Aufgabenspektrum. Doch mit Glück und Können bekam er die Stelle: Viele andere Bewerber konnten zum Antrittszeitpunkt nicht - und die Gemeinde sprach sich für Schiffner aus. Mit einem Bewerbungsgottesdienst überzeugte er. „Und das hat mir gleich das gute Gefühl gegeben, willkommen zu sein“, sagt er. Dazu trug auch bei, dass die Familie im Umfeld des Kindergartens der Tochter rasch Kontakte knüpfte - Horst Schiffner wurde Frankenberger. „Hier gibt es eine gute Infrastruktur“, sagt er und meint damit einerseits Ärzte, Schulen, die Fußgängerzone und vieles mehr, insbesondere aber das Dekanat, die Kirche, das Seniorenheim in unmittelbarer Nähe zum Pfarrhaus.

Vor allem aber gibt es „eine beeindruckende Kirche, die trotz ihrer Größe sehr hell ist“, wie Schiffner es sagt. Er mag die Liebfrauenkirche, seinen Arbeitsplatz, sehr - das hört man schnell. „Dass Menschen ihr Glauben so viel bedeutet, dass sie diese Kirche errichtet haben, das erzählt mir jeder Stein“, sagt Pfarrer Schiffner. Und doch möchte er das Gebäude Kirche nicht über den Inhalt Kirche stellen: „Es ist schön, dass die Kirche nachts beleuchtet wird, aber es muss auch aus der Kirche heraus leuchten“, sagt er. Menschen, die sich für ihren Glauben einsetzen, ihn leben und für ihn leben, sind für Schiffner und seine Arbeit von großer Bedeutung. Denn sie sind es auch oft, die sich freiwillig für die Sache einsetzen: „Ohne Ehrenamtliche geht es nicht“, weiß Horst Schiffner aus seiner täglichen Arbeit. Sei es im Frauenkreis, der ihm in 20 Jahren an das Herz gewachsen ist, in der Altenbetreuung, bei der für Frankenberg prägenden Musik oder in der Jugendarbeit.

Gerade bei Letzterer ist Schiffner auch bereit, neue Wege zu gehen. „Meine beiden Kollegen und ich schauen gespannt auf Konrad Schullerus in Bottendorf, der im Konfirmandenunterricht vieles anders angeht“, sagt der Frankenberger Pfarrer anerkennend. Er selbst glaube, dass die traditionelle Form des Unterrichts kaum mehr Sogwirkung auf junge Menschen entfalte. Deshalb möchte er die Konfirmanden mehr einbinden - sie etwa mit Senioren in Kontakt bringen, sie Gottesdienste gestalten lassen.

Denn, so hat er festgestellt: „Wenn am Gottesdienst andere Gruppen der Gemeinde teilnehmen, ist viel Leben in der Kirche.“ Dann - und das ist für ihn zentraler Inhalt seiner Arbeit mit den Gläubigen - kommt der christliche Glaube wieder ins Gespräch. Dann kommt die Kirche zu den Menschen. Und dann strahlt es auch aus ihrem Inneren.

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