Gemünden

Von „Micky Maus“ zur Antiquität

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- Gemünden (gl). Seit 19 Jahren ist Rolf Riether vereidigter Sachverständiger für deutsche Möbel vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. In einer eigenen Sammlung hat er besondere Exemplare zusammengetragen.

Angefangen hat es vor vielen Jahren mit „Micky-Maus“-Heften: Die Comics weckten in Riether die Lust, zu sammeln. Schnell folgten Briefmarken und Münzen – typische Sammelgegenstände eben. Mit 19 Jahren verkaufte Riether die Briefmarken und die Münzen und erstand von dem Erlös einen geschnitzten Sokrates-Kopf. „Meine erste Antiquität“, sagt der Gemündener schmunzelnd, obwohl die kleine Büste von 1926 noch kein besonders altes Stück ist. Doch der Kauf weckte eine weitere Leidenschaft: die für Antiqitäten.

Heute ist Rolf Riether 65 Jahre alt und besitzt eine stattliche Privatsammlung deutscher, zumeist hessischer Antiquitäten. Zinnwaren, Eichenmöbel und Haubenschachteln haben es ihm angetan – sein Heim verströmt einen musealen Charakter.Riether ist deutschlandweit gefragt. Sein Wissen hat er sich selbst angeeignet – durch Fachliteratur, Museumsbesuche und Messen in ganz Europa. Vor 19 Jahren wurde der Autodidakt von der Kasseler Industrie-und Handelskammer zum „Sachverständigen für deutsche Möbel vom 16. bis 19. Jahrhundert und Volkskunst einschließlich Zinn vom 16. bis 20. Jahrhundert“ bestellt und vereidigt – und ist auf diesem Gebiet einer der wenigen Fachleute in Deutschland.

„Die Schönheit und die Liebe zur Sache“, treiben ihn an, sagt Riether. „Das Schöne an dieser Leidenschaft: Sie wachen morgens auf und wissen nicht, was der Tag bringt.“ Manchmal stünden plötzlich Menschen vor seiner Haustür, mit Fotos von Omas Schränkchen, manchmal rufen ihn unvermittelt Fremde an und wollen eine Einschätzung von ihm haben, was ein Fund denn wert sei. Tatsächlich entsteht ein bedeutender Teil seiner Expertisen nach Entrümpelungen von Kellerräumen und Dachböden. Doch auch vor Gericht erscheint Rolf Riether regelmäßig: Seine Gutachten helfen in Scheidungsfällen und gegen Versicherungsbetrug. „Man wird aber auch verarscht“, sagt Rie­ther – zumindest würden einige Personen es versuchen, wollen etwa wertlose Gegenstände als echt bescheinigt haben. Auch mit den Finten von Anwälten hat Riether gelegentlich zu kämpfen: „Da braucht man starke Nerven und ein gutes Durchsetzungsvermögen“, sagt er.

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