Tag der Milch

Milch direkt nach dem Melken zapfen

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Seit dem Jahr 2010 bietet der Hof der Familie Landau in Röddenau die Möglichkeit, Milch direkt abzuzapfen.

Frankenberg-Röddenau - Rund 9000 Liter Milch im Jahr gibt eine Kuh ab. Eine rasante Entwicklung, denn vor 30 Jahren war es noch bedeutend weniger. Bessere Technik und großzügigere Stallungen haben daran einen Anteil.

„Die Milch machts“, sagt ein Werbefilm aus den 1980er Jahren und in der Tat macht die Milch vieles möglich. Ob Käse, Joghurt, Schokolade oder ein leckeres Eis in den Sommermonaten: Überall kommt die Milch zum Einsatz. Aber wo kommt die Milch überhaupt her? Immerhin steht sie nicht von Beginn an im Supermarktregal. Bis sie dort ankommt, hat sie einen relativ langen Weg vor sich, der in den frühen Morgenstunden auf einem Bauernhof seinen Anfang nimmt.

Um 5.30 Uhr beginnt der Arbeitstag von Landwirt Matthias Landau, seiner Mitarbeiter und natürlich auch der seiner 230 Milchkühe auf dem Hof in Röddenau. Das erste Mal melken steht an. Und Kühe sind dabei echte Gewohnheitstiere: Schon eine halbe Stunde später oder früher und die Kühe würden unruhig oder seien noch schläfrig, berichtet der Landwirt. Der erste Weg führt die Tiere in den sogenannten Vorwartehof. Die Kühe wissen bereits, wie das abläuft und reihen sich ganz von selbst in der Warteschlange ein.

Eine Runde im Melkkarussell

Dann geht es weiter in das Melkkarussell. Die Kühe treten ein und drehen sich dann zur Seite. Der Kopf blickt bei der „Fahrt“ im Karussell nach außen. Nun kommt der Hauptteil: Mit einem Tuch werden die Zitzen, die sogenannten Striche, nocheinmal gereinigt, bevor ein Helfer die Melkbecher ansetzt. Die Helfer stehen innen im Karussell und haben so einen guten Überblick über die Tiere. Normalerweise würde der Melkvorgang mit einem Helfer funktionieren, berichtet Landau, allerdings habe die Fliegenzeit begonnen und die Kühe würden dadurch häufiger nach den Insekten treten. Dann könne es vorkommen, dass die Melkbecher abfallen würden und sie neu angesetzt werden müssten.

Hat die Kuh genug Milch abgegeben – also fließen weniger als 200 Milliliter pro Minute – lösen sich die Melkbecher computergesteuert. Das Euter wird schließlich noch mit einem Öl behandelt, das die Haut pflegen soll. Dann ist für das Tier die Runde im Karussell beendet. Manchmal käme es jedoch vor, dass die Kühe nur langsam Milch geben, berichtet Rhabea Landau. In diesem Fall dreht die Kuh eine Extrarunde. Am Ende verlassen die Kühe das Karussell wieder in Richtung Stall und am Nachmittag, um 16.30 Uhr, ist dann zum zweiten Mal melken angesagt. Nach dem Melken wird die Milch auf fünf Grad abgekühlt, um sie möglichst unverändert lagern zu können. Dies muss innerhalb der ersten zwei Stunden geschehen.

Zwei Tage lang bleibt die Milch in einem Tank auf dem Hof, bevor sie vom Milchwagen abgeholt wird. Der Tank fasst 10000 Liter, allerdings geht nicht die komplette Milch an die Molkerei. Einen Teil kann jeder auf dem Hof direkt abzapfen – und das 24 Stunden am Tag. Früher seien die Leute häufiger vorbeigekommen und hätten nach Milch gefragt, da habe sich Landau dazu entschlossen, einen Automaten aufzustellen. „Die Leute können hier immer gucken“, sagt der 38-Jährige. Die Milch die „ab Hof“ verkauft wird, unterliegt ständiger Kontrolle und auch die Milch die an die Molkerei geliefert wird, wird bei jeder Lieferung überprüft. Dies sei auch für den Verkauf „ab Hof“ ein Vorteil, denn so sei immer eine Gegenprobe vorhanden, berichtet Landau.

Rund 9000 Liter gibt eine Kuh im jährlichen Durchschnitt ab, sagt der Landwirt. Vor 30 Jahren seien es noch rund 5000 Liter gewesen. Seither hat sich also einiges getan: Früher seien die Stallungen der Tiere viel dunkler, enger und stickiger gewesen. Kein Wohlfühlklima für eine Kuh. Das sei heute ganz anders: Die Ställe seien lichtdurchflutet und geräumig. „Je wohler sich die Kuh fühlt, desto mehr Milch gibt sie ab“, sagt Landau.

„Die Technik geht weiter“, berichtet der Röddenauer. Allerdings müssten sich Neuerungen auch wirtschaftlich rechnen. Pro Kilogramm Milch bekommt der Landwirt derzeit 39 Cent. Dabei komme es aber auch auf die Inhaltsstoffe an, berichtet er. Sind mehr Fett und Eiweiß in der Milch enthalten, gibt es Zuschläge. Die Zeit zwischen dem Melken verbringen die Kühe mit Fressen. Um die Versorgung seiner Tiere sicherzustellen bewirtschaftet Landau eine Fläche von rund 300 Hektar. Davon sei jedoch nicht alles für die Tiere, berichtet er. Grassilage, Maissilage, Rapsschrot, Mineralstoffe und Biertreber stehen auf dem Speiseplan der 230 Kühe. Auch das Futter trägt seinen Teil zur besseren Milchproduktion bei: „Man muss schauen, dass die Kuh ?aus ihren Anlagen das Beste machen kann“, berichtet Matthias Landau.

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