An der Milchbank kann wieder geplaudert werden

Erinnerungen an der Milchbank: Viele der Kunden, die Marlene Schwebel-Schmitt in ihrem Edeka-Lebensmittelmarkt hier trifft, erzählen aus der Zeit, als in diesem Gebäude Hainstraße 13 noch die Frankenberger Molkerei tägliche tausende von Litern Milch verarbeitete. Foto: Völker

Frankenberg. Es gibt sie wieder in Frankenberg, die Milchbank, einst beliebter Treffpunkt in jeder Dorfmitte. Manfred und Marlene Schwebel-Schmitt haben nach Erweiterung und Renovierung ihres familiengeführten Edeka-Marktes der Milchbank ein Ladeneckchen reserviert.

Das soll an die Zeiten erinnern, als in der Hainstraße 13 noch die Milchkannen klapperten. Bis 1974 arbeitete hier die Frankenberger Molkerei, 1975 übernahm der Birkenbringhäuser Kaufmann Karl Schwebel das Gebäude und baute es zu einem Lebensmittelgeschäft um. Immer wieder stieß die Familie Schwebel bei ihren Umbau- und Erweiterungsarbeiten in den folgenden Jahrzehnten auf die Spuren der ehemaligen Molkerei, auf gekachelte Wände, zwischen denen einst Butter und Käse hergestellt worden war, und auch der zugehörige Industriekamin, letztes Wahrzeichen des früheren Molkereistandortes, musste noch 1989 Stein für Stein abgetragen werden. Als 1974 die Molkereigenossenschaft „Edertal“ mit der „Molkereiunion Bad Wildungen“ fusionierte und sich auflöste, orientierten sich im Frankenberger Raum fast 300 Milchzulieferer um.

„Unser Haus war in seiner Zeit als Molkerei im Bewusstsein der ländlichen Bevölkerung ein wichtige Ort“, berichtet Manfred Schwebel-Schmitt. Aus Schilderungen der Nachbarn weiß er, welch reges Leben in der Nachkriegszeit durch die an- und abfahrenden Wagen mit den Milchkannen in der Hainstraße herrschte.

Der Frankenberger Geschichtsverein besaß noch historische Fotos aus der Blütezeit der Molkerei in der Hainstraße, die er dem Edeka-Markt Schwebel zur Verfügung stellte. Der Fotodesigner Harald Hörl schuf daraus eine Collage, die nun über der hölzernen Milchbank die Arbeit in der einstigen Molkerei stimmungsvoll spiegelt. Auch drei alte Milchkannen haben, nun mitten im modernen Lebensmittelmarkt, wieder ihren Platz.

„Ich freue mich immer, wenn unsere Kunden an dieser Molkerei-Ecke stehen bleiben und von früher plaudern“, sagt Marlene Schwebel-Schmitt. „Genau das soll unsere Milchbank ja auch sein: ein Ort, an dem die Leute sich erinnern und miteinander ins Gespräch kommen!“

Von Karl-Hermann Völker

Mehr lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

Kommentare