Milchpreisverfall bringt Bauern an Rand des Ruins

Milchstreik: 2008/2009 kämpften die Milchbauern noch für bessere Preise. Hier brachten im September 2009 Bauern in Geismar Milch mit einem Güllewagen auf einen Acker aus. Archivfoto: Paulus

Waldeck-Frankenberg. Die Lage für die Milchbauern in Waldeck-Frankenberg war noch nie so dramatisch wie derzeit.

Da sind sich Kreislandwirt Fritz Schäfer und die Geschäftsführer der beiden Kreisbauernverbände (KBV) einig. Wegen der EU-weiten Überproduktion (HNA berichtete) ist der Preis bei konventioneller Milch auf bis zu 19 Cent gesunken. Das drängt Betriebe an den Rand des Ruins.

Mindestens 30 Cent bräuchten die Landwirte, um nur ihre Kosten zu decken. „Bei 100 Kühen entsteht so in einem haben Jahr ein Defizit von 25 000 Euro“, sagt Stephanie Wetekam vom KBV Waldeck. Besonders betroffen seien Betriebe, die in Großställe investiert hätten, um überleben zu können. „Viele wissen nicht mehr, wie sie den Abtrag zahlen sollen. Aufhören können sie auch nicht“, sagt Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg.

Hart betroffen von der Misere sind auch ältere Landwirte, schildert Kreislandwirt Schäfer. Die Hofaufgabe ist schwierig, wenn sie noch keine landwirtschaftliche Rente bekommen. Und die Bauern-Rente an sich ist gering. Bisher unterstützen die Nachfolger die Eltern. Doch Nachfolger gibt es bei Betriebsschließung nicht.

Konnten Landwirte bisher bei der Hofaufgabe mit dem Verkauf der Milchkühe noch Geld erzielen, fällt auch diese Quelle weitgehend weg. Bei dem derzeitigen Milchüberschuss will kaum einer Kühe kaufen. Wetekam schätzt, dass im Kreis in nächster Zeit 2500 Milchkühe - zehn Prozent des Bestands - abgeschafft werden.

Ein Milchstreik wie 2008/2009, als die Bauern die Milch in den Gully schütteten oder auf das Feld ausbrachten, ist derzeit nicht in Sicht. „Die Landwirte sehen keine Aussicht mehr auf Erfolg“, erklärt Wetekam. „Der Kampfeswille ist weg“, sagt auch Schäfer. Und auch in anderen Bereichen, besonders beim Schweinefleisch, sinken die Preise.

Wie Vertreter die Zukunft der Landwirtschaft sehen, wie ein Milchbauer seine Lage schildert, was ein anderer Milchbauer den Molkereien vorwirft - all das in der gedruckten Samstagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

Kommentare