Willi Lieverscheidt spielte Ein-Mann-Theater nach Dario Fo

Mit Mimik, Gestik und Lautstärke

Ein-Mann-Theater: Willi Liverscheidt überzeugte mit viel Körpereinsatz, Mimik und Gestik. Foto:  Ochs

Gemünden. Dario Fo. Wer ist das eigentlich? Ein Zauberer? Ein Lebemann? Nein, weit gefehlt. Dario Fo ist Schriftsteller. Er ist italienischer Theaterautor und gleichzeitig Nobelpreisträger für Literatur (1997). Und wer ist Willi Lieverscheidt? Willi Lieverscheidt hat am Samstagabend drei Theaterstücke von Fo auf die Bühne im Alten Bahnhof Gemündens gebracht.

Der  Kulturverein Gleis 3 um seinen Vorsitzenden Lienhard Weimann hatte zu dieser besonderen Theateraufführung in die Wohrastadt eingeladen.

Solo war Willi Lieverscheidt unterwegs, er allein erzählte, gestaltete und (über)zeichnete drei Geschichten nach Dario Fo. Ganz ohne Requisiten, ausgerüstet mit seinen gestaltenden Händen und markanten Gesichtszügen schaffte er die Figuren des kecken Mädchens, des dumpfen Hirtenjungen, der keifenden Schwiegermutter. Auch die blökenden Schafe – wobei das Publikum im Alten Bahnhof gleich als ganze Schafherde agierte – und die riesenhafte Tigerin wurden von ihm selbst dargestellt.

Mit überwältigender Mimik, Gestik und Lautstärke spielte Lieverscheidt in diesen Stücken die Rollen. Mehr als eine Stunde lang agierte er beißend, kratzend, brüllend, fauchend, und knurrend – fast ohne Atem zu holen – auf der Bühne. Im Kopf der Zuschauer entstanden so die Bilder von der langen, speicheltriefenden Zunge der Tigerin oder vom Rosettenfenster der Kirche, durch das sich das Licht bricht.

Deutlich und derb

Lieverscheidt überzeugte. Nicht wegen des Geplänkels mit dem Publikum, auch nicht wegen der sympathischen Hundedressur mit Piccolina, aber wenn er feurig seine Geschichten lebt, dann entstehen vor den Augen der Zuschauer Höhle und Wälder, seine volle Stimme durchdringt die Weite der chinesischen Landschaft. Ein echtes Theater, deutlich und bisweilen derb.

Von Jutta Ochs

Quelle: HNA

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