Mahn- und Friedensgottesdienst im Hatzfelder Wald

"Miteinander geht es immer besser"

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Eine besondere Atmosphäre herrschte beim Mahngottesdienst auf dem Prachtsattel in Hatzfeld. Die Besucher sangen und beteten für Frieden und Versöhnung, mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor und der Chorgemeinschaft.Fotos: Tobias Treude

Hatzfeld - Ein besonderer Gottesdienst an einem besonderen Platz wurde in Hatzfeld gefeiert. Im Wald auf dem Prachtsattel erinnerten die Besucher an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und beteten für Frieden und Versöhnung.

Am 28. August 1914 fiel der Hatzfelder Forstmeister Wilhelm Engelhard an der Front im Elsass - einen Monat nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Engelhard war das erste von 38 Opfern aus Hatzfeld. Ihm zu Ehren wurde auf dem Prachtsattel ein Gedenkstein angebracht. Dort, wo bereits 100 Jahre zuvor ein Baum in Erinnerung an die Opfer der Kriege gepflanzt worden war.

An diesem Platz fand am Samstagabend nun ein Gottesdienst statt und ein neuer Baum wurde gepflanzt - doch ging es den Besuchern und Beteiligten nicht darum, gefallenen Helden zu gedenken, wie es auf dem Stein über Wilhelm Engelhard geschrieben ist. Es war ein Mahngottesdienst für Frieden und Versöhnung.

Viele Hatzfelder hatten sich zu Fuß oder mit dem Fahrdienst auf den Weg in den Wald gemacht. Durch den Gottesdienst führte Dekan Gerhard Failing, den musikalischen Part übernahmen die Mitglieder von Posaunenchor und Chorgemeinschaft. Mitausrichter Richard Klos wies in seiner Begrüßung auf die Aktualität des Gottesdienstes hin - und spielte auf die Kriege und Auseinandersetzungen in Syrien, im Irak, in der Ukraine und im Gaza-Streifen an. „Miteinander geht es immer besser“, sagte Klos.

Diesen Worten schloss sich auch Dekan Failing an. Er verwies in seiner Predigt auf das Wort der Versöhnung aus dem 2. Korintherbrief, in dem es heißt: „Lasst euch versöhnen mit Gott“. Diese Versöhnung sei nur möglich, wenn die Menschen zu ihrer Schuld stehen würden. Wichtig sei es daher, an das Geschehene zu erinnern. Auch viele Pfarrer hätten vor hundert Jahren den Krieg als unausweichlich gesehen. „Wer sich erinnert, dem steht die Gegenwart vor Augen“, stellte Failing so den Bezug zu den aktuellen Kriegsschauplätzen her. Kriege würden nun scheinbar weit entfernt, aber doch sehr nah stattfinden, wenn es etwa um Fragen der Waffenlieferungen oder den Umgang mit Flüchtlingen gehe.

Initiatoren für den besonderen Gottesdienst waren Hessen Forst und das Frankenberger Forstamt. Zum Abschluss wurde ein Friedensbaum gepflanzt. Zwar sei der Ginkgo-Baum in der Region nicht heimisch, erklärte Bereichsleiter Frank Röbert, doch war es jene Pflanze, die ein Jahr nach dem Atombombenabwurf von Hiroshima nur 800 Meter vom Detonationszentrum entfernt wieder spross. Seitdem stehe der Ginkgo für Hoffnung und Frieden. (tt)

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