Bis ins hohe Alter Mediziner mit Leib und Seele

„Mones trifft“ Dr. Hans Hermann Dietrich

Dr. Hans Hermann Dietrich blickt mit Horst Giebel alias Mones auf sein bewegtes Leben zurück. Foto: Tim Heinrichs-Noll

Frankenberg - Er ist einer der bekanntesten Ärzte der Region: Dr. Hans Hermann Dietrich aus Frankenberg. In der vierten Folge der FZ-Serie „Mones trifft“ plaudert der 90-Jährige mit Horst Giebel über sein Leben als „Menschenfreund“.

In Torgau an der Elbe wurde Hans Hermann Dietrich am 24. März 1922 als Sohn eines Berufssoldaten geboren. Dort bestand er das „Notabitur“ und wurde 1940 Soldat, quasi mit 18 von der Schulbank an die Front. Neun Jahre seines jungen Lebens kostete ihn der zweite Weltkrieg, davon vier Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft „…mit Kälte und Hunger und allem was dazugehört“. Am 21. Mai 1949 kehrte er in die „DDR- Heimat“ zurück.

Sein Berufsziel war Sanitätsoffizier. Und so wurde Dietrich während der Kriegswirren zu medizinischen Seminaren und Studiengängen abberufen, musste danach jedoch immer wieder an die Front zurück. 1943 legte er in Innsbruck sein Physikum ab. Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft bestand er 1949 in Rostock das medizinische Examen und promovierte noch im gleichen Jahr. Danach war er Arzt an Krankenhäusern in Rostock und Torgau. Er bildete sich weiter und wurde 1956 Facharzt für Chirurgie; seine aus Breslau stammende Frau Christel - Heirat 1952 - stand ihm stets mit Rat und Tat zur Seite.

Doch das Leben und die Umstände in der damaligen DDR behagten der jungen Familie - inzwischen waren zwei Töchter geboren - nicht, zumal die Stasi von „regen Kontakte mit dem Klassenfeind im Westen“ wusste und auch regelmäßige Kirchenbesuche registriert hatte. Als dann 1958 Ehefrau Christel mit den Töchtern Barbara und Elisabeth „zu einem genehmigten Besuch“ per Bahn in den Westen gefahren waren, zog die Stasi postwendend den Ausweis des Familienvaters ein, sperrte das Bankkonto und verbot ihm, den Kreis Torgau zu verlassen. Dennoch schaffte es Dr. Dietrich mit Hilfe von Freunden „illegal mit falschen Namen auf einem Motorrad“ West-Berlin zu erreichen.

Ab 1962 in Frankenberg

Der Neustart im Westen war nicht einfach. Während Dietrich in der Chirurgie des Unfallkrankenhaus Bad Oldesloe arbeitete und dann auch Facharzt für Orthopädie wurde, mussten Ehefrau und Töchter - drei und sechs Jahre alt - zunächst bis Oktober 1958 in einem Kriechzelt auf dem Campinglatz ausharren...Die Familie suchte in der Folgezeit händeringend nach einer neuen Bleibe und schrieb Bewerbungen. Dann kam 1962 von einem gewissen Dr. Franz Leitermann aus Frankenberg/Eder ein Brief mit den verlockenden Angeboten, dass neben einer Chirurgenstelle im Kreiskrankenhaus auch eine Wohnung zur Verfügung stehe. Dietrich: „Wir wurden sehr freundlich aufgenommen, wo wir auch hinkamen. Und Frankenberg ist auch unsere Heimat geworden. Hier wurde auch Tochter Eva geboren, und Pflegetochter Donate komplettierte schließlich das Familienglück.

Im Alter von 65 Jahren ging Dr. Dietrich in den Ruhestand. Bis dahin war er Oberarzt in der chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses und vorübergehend, nach dem Tod von Dr. Franz Leitermann, „kommissarischer Chef“. Bis zu seinem 81. Lebensjahr blieb er aktiv in der „Krankenpflegeschule“ und sogar mit 88 musste er noch mal ran.

Arzt bei vielen DRK-Reisen

Die Zahl seiner Ehrenämter ist lang. Seit 1952 engagiert er sich beim Roten Kreuz. Er war unter anderem Bereitschaftsarzt und stellvertretender Vorsitzender im DRK-Kreisverband Frankenberg. Bis heute hält er medizinische Vorträge - mal mit, mal ohne Humor. Bei der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) fungierte er als Bezirksarzt. Als „verantwortlicher Arzt“ ganze Heerscharen von reisenden DRK-Senioren, sei es in den Harz oder nach Israel. Darüber hinaus war er 30 Jahre Mitglied des Kirchenvorstands der evangelischen Kirchengemeinde Frankenberg und auch Synodaler. Auf den Basaren der Lebenshilfe verkaufte er Tausende von Wohlfahrtsmarken. Dietrich ist Gründungsmitglied des Lions Clubs, an dessen Veranstaltungen er noch gern und rege teilnimmt.

In seiner Freizeit schreibt der Jubilar Aufsätze zu medizinischen Themen, speziell in „Ärztezeitungen“, oft unter dem Motto „wie es früher war“. Ferner beschäftigt er sich seit Jahren mit philatelistischen Themen. Und natürlich haben es ihm Haus und Garten in der Forststraße angetan. Dabei hilft ihm Ehefrau Christel: „Bei uns gibt es keinen langweiligen Tag!“

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