Multiresistente Keime in Tierställen - Übertragung auf Menschen möglich

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Waldeck-Frankenberg. Hoher Antibiotika-Einsatz in der Tiermast sorgt dafür, dass sich multiresistente Keime entwickeln, gegen die dann kaum noch ein Antibiotikum hilft. Diese MRSA-Keime können von Tieren auf Menschen übertragen werden.

Insbesondere auf Landwirte, weil diese häufig Tierkontakt haben. Das ist das Ergebnis von Studien.

Ob sich die Landwirte im Kreis der erhöhten Infektionsgefahr bewusst sind, kann das Kreisgesundheitsamt nicht beantworten. Die Behörde teilt auf HNA-Anfrage mit, dass sie „die Infektionsgefahr für Menschen im Landkreis nicht höher einschätzt als für Menschen in anderen ländlichen Regionen im Bundesgebiet.“ Empirisch gesicherte Zahlen für den Kreis lägen hierzu nicht vor.

Nur nachgewiesene MRSA-Infektionen aus Blut und Liquor (klare Körperflüssigkeiten) müssen dem Amt gemeldet werden, aber nicht der Nachweis von Hautabstrichen. Denn Träger des Keimes müssen nicht zwangsläufig erkranken, es sei denn, ihr Immunsystem ist schwach oder der Keim gelangt in Wunden.

Das Kreiskrankenhaus Frankenberg nehme die Gefahr ernst. „Personen, die in der industriellen Tierzucht tätig sind, werden bei uns als Risikopatienten für eine MRSA-Kontamination eingestuft und dem routinemäßigen MRSA-Screening durch Entnahme mehrerer Hautabstriche bei Aufnahme unterzogen“, sagt der Ärztliche Leiter, Dr. Alfred Cassebaum. Wenn der multiresistente Keim nachgewiesen wird, erfolgen die „üblichen Isolierungs- und Keimsanierungsmaßnahmen.“ Allerdings könne man nicht feststellen, woher der Keim stamme, ob tatsächlich eine Übertragung durch Tiere erfolgte.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung besteht auch eine - allerdings geringe - Gefahr, sich über rohes Fleisch anzustecken. Für Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg ist bei dem Thema „viel Populismus im Spiel“.

Von Martina Biedenbach 

Weitere Fragen zu den Risiken der Keime beantworten wir auf unserer Gesundheitsseite in der Mittwochsausgabe der HNA in Waldeck und Frankenberg.

Quelle: HNA

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