Konzert in Frankenberger Hospitalkirche

Musik aus drei Jahrhunderten

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Mit musikalischen Leckerbissen verwöhnen die Musikerinnen des Ensembles „Gaudeamus“ bestehend aus Marion Linse, Sabine Timm, Galina Nachkowa und Zlatinka Georgieam (v.l.) am Sonntagabend das Frankenberger Publikum. Foto: Gerlinde Himmelmann

Frankenberg - Werke, die nicht oft zur Aufführung kommen - das ist ein Spezialgebiet von Zlatina Georieva. Sie ist ein Teil des vierköpfigen Ensembles „Gaudeamus“, das am Sonntag in der Hospitalkirche zu Gast war.

In schwarz gekleidet und mit roten Akzenten versehen haben sich die Musikerinnen: Zlatinka Georgieva an der Oboe, Marion Linse an der Violine, Sabina Timm an der Viola und Galina Nachkova am Violoncello in der Hospitalkirche. Sie bereiteteten ihrem Publikum eine höchst unterhaltsame und exquisite Stunde mit Musik aus den vergangenen drei Jahrhunderten.

Das Ensemble „Gaudeamus“ besteht seit 2010. Drei der vier zugehörigen Musikerinnen - nämlich Zlatinka Georgieva, Marion Linse und Galina Nachkowa - sind Lehrerinnen an der Musikschule Waldeck-Frankenberg

„Ich bin schon sehr gespannt auf das Programm“, sagte sich Kantor Daniel Gárdonyi zu Beginn des Konzertes, „Ich muss zugeben, dass ich nur einen der Komponisten kenne“. Das Forschen nach neuem Notenmaterial und Werken, die nur selten zur Aufführung gebracht werden ist ein Spezialgebiet der Oboistin Zlatinka Georgieva und das kommt dem Publikum zugute. Ein Stück des Komponisten Louis Massonneau, einem gebürtiger Kasseler und Sohn des Hofküchenmeisters, steht mit seinem Werk „Quartetto Nr. 2 in B-Dur“ am Beginn des Konzerts. Überzeugend war die abwechslungsreiche Verwendung der Oboe sowohl als Solo- als auch Ensembleinstrument.

Mit dem „Duo für Violine und Violoncello C-Dur“ von Johann Georg Albrechtsberger, einem Zeitgenossen Joseph Haydns und Lehrer von Ludwig van Beethovens, beeindrucken Marion Linse und Galina Nachkowa. Scheinbar mühelos und leicht strichen ihre Bögen über die Saiten und nahmen die Besucher mit in das musikalische Wien des ausklingenden 18. Jahrhunderts. Ganz der spätromantischen Tradition seines Lehrers César Franck gezollt, steht das „Trio für Oboe, Viola und Violoncello“ des französischen Komponisten Paul de Wailly: „Wir haben das Stück für unsere Zwecke ein wenig bearbeitet“, informiert die Violistin Sabine Timm. Aus der romantischen Stimmung des Stückes kommend, überraschten die Musikerinnen ihr Publikum mit dem erheiterndem Schlussakkord.

„Wir nehmen sie jetzt mit auf den Bielersee in der Schweiz“, eröffnete Marion Linse dem Publikum und demonstrierte das Auf und Ab der Wellen auf ihrem Instrument. Der Schweizer Komponist Urs Joseph Flury beschreibt in seiner „Petersinsel-Serenade“ ein Fest auf der Insel. „Im dritten Satz werden sie unschwer den Mondschein erkennen, aber auch Geister und Nachtmare“, erklärt Linse weiter. Schnell gelingt es dem Ensemble, die Besucher in die neuromantisch-impressionistische Stimmung in Flurys Werk zu versetzen, sowie Hexen und Geister zu erkennen, aber auch den ausgelassenen Tänzen zu folgen.

„Flury bemerkte, dass er den Namen eines Freundes in dieser Komposition versteckt hatte“ berichtete Linse, „wir haben alle intensiv danach gesucht, sind aber nicht fündig geworden“. Die Musikerinnen wussten sich jedoch zu helfen. „Flury lebt ja noch, und so haben wir ihm geschrieben und auch Antwort bekommen“, strahlt sie. „Ueli“ lautet der Name des Freundes und er verwendete für das Versteck die französischen Tonbezeichnungen. „Deswegen blieb unsere Suche ergebnislos“.

Das mit viel Freude am Musizieren dargebotene Programm honorierte das Publikum mit kräftigem Applaus und kommt somit in den Genuss des zur Jahreszeit passenden Stückes „At The Carnival“ der Komponistin Shao Ying Low.

Die Reihe „Abendmusik in der Hospitalkirche“ soll am Sonntag, 22. März, fortgesetzt werden. Thema wird dann „500 Jahre Hospitalkirche - Kirchengeschichte in Wort und Bild“ mit Pfarrer i.R. Heiner Wittekind sowie dem Allianz-Bläsersextett sein.

Von Gerlinde Himmelmann

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