Frankenberger Theater-AG zeigte im Dampfmaschinen-Museum „Das Fest“

Mutig und glaubhaft

Polternde Fröhlichkeit, beklemmende Stille: „Programm-Führer“ Helmut (links, Lukas Scholl) bemüht sich nach Kräften, die Geburtstagsgesellschaft über die peinliche Entlarvung von Vater Helge (rechts, Thomas Wachtendorf) hinweg zu retten. Auch Mutter Else (Kira Drössler) hält zu ihrem Mann. Foto: Völker

Frankenberg/Korbach. Mit einem „Kloß im Hals“, viel „Respekt für den außerordentlich mutigen Umgang mit dem Thema häusliche Gewalt“ und uneingeschränktem Lob für „eine großartige Ensembleleistung“ - so reagierten Teilnehmer und Publikum der Korbacher Theaterwoche auf die jüngste Produktion der Frankenberger Theater-AG.

Im externen Spielort Dampfmaschinen-Museum in Schreufa zeigten die Edertalschüler mit ihrem Spielleiter Paul Möllers noch einmal „Das Fest“ nach dem Filmstoff des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg, mit dem sie bereits im Mai an vier Abenden vor Besuchern aus der Region Erfolge feiern konnten (HNA berichtete).

Eigene Ideen

Beeindruckt waren die Zuschauer vom Stoff, der von den Frankenberger Schülern durch zahlreiche eigene Ideen, neue Figuren, autobiografische Elemente und einen geänderten Schluss höchst kreativ erweitert worden war:

Der erfolgreiche Hotelier Helge will seinen Geburtstag mit illustren Gästen feiern, doch in die Stimmung platzt sein Sohn Christian mit dem Vorwurf, der Vater habe ihn und seine Schwester Linda, die vor kurzem Selbstmord begangen hat, als Kinder missbraucht.

Kritisch fragten die Zuschauer in der anschließenden Diskussion aber auch die Frankenberger Jugendlichen nach dem Arbeitsprozess, ihrer eigenen Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Häusliche Gewalt und Inzest. Dabei machten die Gymnasiasten überzeugend sichtbar, dass sie sich in der Theater-AG mit der Problematik durch Fachliteratur und Internet, durch Gespräche mit Erziehern und Pädagogen, aber auch durch die Artikulation eigener Erfahrungen, die anonym aufgeschrieben und von anderen Darstellern verlesen wurden, beschäftigt hatten. Sie wurden für diese Leistung ebenso gelobt wie für die „insgesamt gelungene Adaption eines Films für das Theater“.

Beifall gab es auch für das Bühnenbild: Dem nüchternen Grau der Industriehalle setzte die Theater-AG die Farben von Lindas Zimmer mit Kronleuchter und bunten Ballons entgegen, die Festtafel schwebte auf der Bühne mitten im Publikum von der Decke herab, Videowände auf beiden Seiten sorgten mit Live-Projektionen aus der Kamera einer „Fotografin“ für eine zusätzliche thematische Spiegelung.

Auf der Traumebene der Bilder kann die tote Linda am Ende ihren Schmerz loslassen, irdische Räume überschreiten. Die stumme Anwesenheit dieses Opfers inmitten der gekünstelt albernen Geburtstagsgesellschaft wurde von den Zuschauern in der anschließenden Diskussion als „total präsent“, „besonders glaubhaft“ und damit beklemmend eindrucksvoll empfunden. Es gab nach der Aufführung lang anhaltenden, herzlichen Beifall.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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