Hatzfeld

Nach Herzstillstand das Leben gerettet: Belobigung für Ersthelfer

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- Hatzfeld (jos). Susanne Schmidt (Name geändert) wäre nicht mehr am Leben, hätten nicht ihre drei Kumpels so schnell und so richtig gehandelt. Dafür erhielten die jungen Männer aus Reddighausen am Mittwoch eine Belobigung von Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann.

Es sind wenige Minuten, die über Leben und Tod entscheiden: Susanne Schmidt ist mit ihren Freunden aus dem Reddighäuser Jugendclub auf der Autobahn unterwegs nach Belgien, als ihr plötzlich schlecht wird. „Wir dachten erst, sie hat sich verschluckt“, sagt Christian Spieß. Doch dann erkennen er, Alexander Sohn und Robert Czyply schnell den Ernst der Lage.

Sie suchen nach einer Möglichkeit, rechts ranzufahren, und bleiben schließlich in einer Nothaltebucht stehen – ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wird auf dem Autobahnabschnitt bei Unna gebaut.

Die drei Kumpels tragen ihre mittlerweile blau angelaufene Freundin aus dem gemieteten Kleinbus und legen sie auf die Straße. Alexander Sohn beginnt sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung – denn Susanne Schmidts Herz ist stehen geblieben. Trotz Schock läuft alles genauso ab, wie es ablaufen muss. „Ich habe einfach funktioniert. Alles ging ganz schnell“, erinnert sich Alexander Sohn. Glücklicher Zufall: Der Krankenpfleger hat seinen Zivildienst beim Rettungsdienst absolviert und weiß genau, was zu tun ist.

Auch die anderen beiden jungen Männer handeln genau richtig: Sie alarmieren über „112“ den Notarzt.

Susanne Schmidt wird ins Krankenhaus nach Unna gebracht, wo sie insgesamt neun Tage verbringt. Danach wird die junge Frau in eine Klinik nach Bad Nauheim verlegt. Dass sie unter Herz-Rhythmus-Störungen leidet, war ihr bekannt. Aber dass ihr Herz einfach so aufhören würde zu schlagen – damit hatte keiner gerechnet

„Ich habe keine Erinnerung an den Vorfall“, sagt die junge Frau. Genau wie ihre Eltern ist die 25-Jährige dankbar, dass Alexander Sohn, Robert Czyply und Christian Spieß so schnell und so richtig gehandelt haben. Susanne Schmidts Mutter hat deswegen eine öffentliche Belobigung der jungen Reddighäuser angeregt. Zu diesem Zweck ist am Mittwoch Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann ins Hatzfelder Rathaus gekommen.

„Sicherlich denken Sie heute mit gemischten Gefühlen zurück“, sagte die Ministerin zu den jungen Reddighäusern. Der Vorfall hatte sich bereits vor mehr als anderthalb Jahren, am 21. August 2008, ereignet. Doch so etwas gehe einem wohl niemals ganz aus dem Kopf, betonte Kühne-Hörmann. Mit der Ehrung wolle sie dokumentieren, „dass es richtig ist, schnell zu handeln“. Das Verhalten der drei Freunde aus Reddighausen habe Vorbildfunktion. Kühne-Hörmann: „Ich möchte Ihnen im Namen der Landesregierung danken und auch anderen Menschen Mut machen, so einzugreifen, wie Sie es getan haben.“

Dem Dank an die drei Lebensretter schloss sich auch der Hatzfelder Bürgermeister Uwe Ermisch an, der den Besuchern im Rathaus einen Sektempfang vorbereitet hatte. Mit Ministerin Kühne-Hörmann war sich Ermisch einig, dass das Thema Erste Hilfe oft zu locker genommen werde. „Wann haben Sie denn zum letzten Mal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht?“, fragte der Sozialdemokrat die CDU-Ministerin. „Erst vor Kurzem“, konterte Kühne-Hörmann schmunzelnd und ermunterte die Reddighäuser, vielleicht in ihrem Jugendclub mal wieder einen Erste-Hilfe-Kurs anzubieten.

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