Gottesdienst für die Rengershäuser Orgel

Nach 50 Jahren frisch wie ehedem

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Orgelbaumeister Christoph Böttner (links) bereitete in den vergangenen Tagen die 1964 erbaute Rengershäuser Orgel auf ihr Jubiläumskonzert vor. Sein Praktikant Thorben Scholz aus Sehlen half beim Stimmen.

Frankenberg-Rengershausen - Im Rahmen eines festlichen Erntedankgottesdienstes mit viel Musik wird die evangelische Kirchengemeinde Rengershausen am kommenden Sonntag eine "Jubilarin" feiern.

Orgelbaumeister Wolfgang Böttner fertigte vor 50 Jahren in seiner Frankenberger Werkstatt eine neue, zweimanualige Orgel mit zehn Registern an, die auf der Empore des Rengershäuser Gotteshauses ihren Platz fand und neue Möglichkeiten für die Kirchenmusik bot.

Kai Schöneweiß von der Hochschule für Kirchenmusik in Herford lässt bei einem Festgottesdienst zu Erntedank, 5. Oktober ab 19 Uhr, auf der Böttner-Orgel Kompositionen aus drei Jahrhunderten erklingen, darunter Johann Georg Walthers erstes Orgelkonzert, eine moderne Choralbearbeitung zu „Wir pflügen und wir streuen“ von Beate Leibe sowie Kompositionen von Ernst Pepping und Jacques-Nicolas Lemmens.

Der evangelische Singkreis unter der Leitung von Irene Tripp hat für das Orgeljubiläum mehrere Chorwerke vorbereitet, darunter von Camille Saint-Sans den Choralsatz „Lobsinget Gott, dem Herrn“ und „I Will Follow Him“ aus „Sister Act“. Den Gottesdienst leitet Pfarrer Uwe Hesse, Orgelbaumeister Christoph Böttner gibt Erläuterungen zum Klangcharakter des Pfeifenwerks.

In den vergangenen Tagen hat Christoph Böttner, der 1995 die Frankenberger Orgelbaufirma von seinem Vater übernahm und weiterführte, die Pfeifen des Rengershäuser Instruments gestimmt und das Werk gewartet. Eine Besonderheit ist das vom Kirchenvorstand mit Pfarrer Georg Kappner damals in Auftrag gegebene „Rückpositiv“ in der Emporenbrüstung, das für eine besondere Klangwirkung in dem Kirchenraum sorgt und in der Disposition bei der Registerauswahl sorgsam berücksichtigt wurde. „Mein Vater gehörte zu der orgelbewegten Zeit. Er war geprägt von dem Komponisten Hugo Distler, dessen Werke schon früh in Frankenberg gesungen und gespielt wurden“, erzählt Christoph Böttner. Nach Ablegung seiner Meisterprüfung 1959 hatte sich Wolfgang Böttner in Frankenberg 1960 niedergelassen und eine Orgelbauwerkstatt eröffnet. Sein erstes dort konzipiertes und selbstständig fertig gestelltes Instrument war die Orgel der katholischen Kirche St. Elisabeth in Burgwald, dann folgten eine ganze Serie von Werken in der Region zwischen Frankenberg und Marburg, aber auch zwei Orgeln in Bremen. Bis 1990 hatte die Werkstatt Böttner deutschlandweit bereits 120 Orgelneubauten gefertigt.

Als Christoph Böttner zusammen mit seinem Praktikanten Thorben Scholz aus Sehlen jetzt in Rengershausen Pfeife für Pfeife stimmte und dann das volle Werk erklingen ließ, war er ganz begeistert vom Zustand: „Die Orgel hat in 50 Jahren nichts von ihrer ursprünglichen Frische verloren.“

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